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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

11 . Wenn aber jemand auch das Angenehme und das Schönezu den zwingenden Dingen rechnen wollte, weil doch auch dies etwassei, das außer unslicgend eine Nötigung aufuns ausübe, dannmürdeman freilich sagen müssen, daß auf die Art alles zwingend sei, denndiese beiden Diuge sind die Motive zu allen menschlichen Hand-lungen. Die Sache ist die: wer etwas gezwungen und widerwilligthut, der thut es mit einem Gefühle von Schmerz; wessen Beweg-gründe beim Handeln dagegen das Angenehme und Schöne sind, derthut, was er thut, mit Vergnügen. Endlich ist es lächerlich, dieDinge außer uns als Ursache anzuklagen und nicht vielmehr unsselbst, die wir uns von ihnen leicht berücken lassen, oder vielmehr:uns selbst zwar das Verdienst unserer schönen und guten Hand-lungen, die Ursache unserer schlechten dagegen den äußeren Lust-anreizungen zuzuschreiben. 12. Es bleibt also dabei: gezwun-gen ^ ist das, was seine Ursache außer dem unter dem Einflüssedes Zwanges Handelnden hat und wozu derselbe nichts beiträgt.

13. Was nun das Handeln aus Unwissenheit betrifft, so istMekk. es zwar in seiner Gesamtheit betrachtet ein nicht freiwilliges,aber unfreiwillig ist es doch nur in dem Falle, wenn ihm Schmerzund Reue folgen. Denn wer irgend etwas unwissentlich gethan hat,aber über seine Handlung keinen Unwillen empfindet, der hat aller-dings zwar nicht freiwillig gehandelt, insofern er nicht wußte, waser that^, aber ebensowenig hat er unfreiwillig^ gehandelt,weil er ja über sein Handeln keinen Schmerz empfindet. Und sogeht denn auch in betreff des Handelns aus Unwissenheit die all-gemeine Ansicht dahin, daß man sagt, der, welcher hinterher Reueempfindet, habe unfreiwillig (ungern) gehandelt, während es vondem, der keine Neue zeigt und der nach unserer Ansicht von jenemverschieden ist, nur heißt, er habe es nicht freiwillig (d. h. nicht gern)gethan. Denn da der Fall verschieden ist, so ist es besser, daß

4. D. h. wörtlichdurch Gewalt bewirkt" Aristoteles wieder-

holt hier rekapitulierend die Z 3 dieses Kapitels von ihm gegebene Definition.

5. Der freie Wille setzt die Kenntnis dessen, was man thut, voraus.

6. Man bemerke, daß das griechische Wort für unfreiwillig («/.wv)zugleichwiderwillig" bedeutet.