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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
wir deshalb gelobt oder getadelt werden. Und endlich das Ver-mögen zu etwas haben wir von Natur, tugendhaft dagegen oderlasterhaft werden wir nicht von Natur, wie ich das bereits frühergesagt habe? — 6. Wenn also die Tugenden weder Leidenschaftennoch Vermögen sind, so bleibt nur übrig, daß sie Fertigkeiten sind.Damit ist dann also gesagt, was dem Gattungsbegriffe nach dieTugend ist.
Sechstes Kapitel.
K->p- 1. Wir dürfen indessen nicht so ohne weiteres sagen, daß die
Leik. Tugend eine Fertigkeit ist, sondern auch was für eine sie ist.
2. Hier ist nun zu sagen, daß jede Tugend einerseits das-jenige selbst, dessen Tugend sie in jedem einzelnen Falle ist, voll-kommen macht und andererseits die Leitung desselben vollkommenvollbringt; z.B. die Tugend des Auges macht einerseits das Augezu einem tüchtigen, andererseits die Leistung desselben, denn dieTugend des Auges bewirkt es, daß wir gut sehen. Ebenso ist esdie Tugend des Pferdes, die einerseits das Pferd überhaupt zueinem guten macht und es zugleich tüchtig macht zu laufen, seinenReiter zu tragen und vor dem Feinde zu stehen.
3. Wenn dies nun allgemein^ sich so verhält, so folgt daraus,daß auch die Tugend des Menschen diejenige Fertigkeit ist, infolgederen er selbst ein guter Mensch wird und infolge deren er imstände sein wird, seine ihm eigentümliche Leistung vollkommen zuleisten. — 4. Auf welche Weise das der Fall sein wird, haben wirbereits gesagt?; es wird indessen auch durch die folgende Unter-suchung klar werden, wenn wir in Betrachtung ziehen, von welcherArt ihr? Natur ist. In jeder kontinuierlichen und diskreten Größe
3. Im ersten Kapitel dieses zweiten Buches, tz 2. ^ ,
1. D. h. bei allen Dingen, von denen sprachlich gesagt wrrd, datzihnen eine Jugend zukommt.
2. S. oben I, Kap. 7, §§ 10-l4.
8. D. h. der menschlichen Tugend.