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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

Kap.

4 .

Bett.

der sie selbst zum Zwecke hat; drittens endlich, daß er fest und un-veränderlich bei seinem Thun beharre. Alle diese Bedingungen wer-den bei anderen Künsten nicht mitin Berechnung gezogen, ausgenom-men das Wissen. Bei den Tugenden aber ist das Wissen von ge-ringem oder gar keinem Belang, dagegen sind die anderen Bedingun-gen von nicht geringer, ja vielmehr von hauptsächlicher Bedeutung,und sie sind es gerade, welche aus der öfteren Wiederholung tugend-hafter oder maßvoller Handlungen uns zu teil werden.

4. Also: Handlungen heißen gerecht und maßvoll, wenn sie sobeschaffen sind, wie sie der Gerechte oder der Maßvolle thun würde;gerecht aber und maßvoll ist nicht der, der diese Handlungen thut^,sondern der sie zugleich so^ thut, wie die Gerechten und Maßvollensie thun. 5. Es ist mithin eine ganz richtige Bestimmung, daßman durch Gerechthandeln gerecht und durch Maßvollhandeln maß-voll wird und daß ohne solches Handeln niemand auch nur darandenken kann, tugendhaft zu werden. 6. Die meisten Menschenfreilich lassen sich aufsolchesHandeln nichtein, sondern nehmen ihreZuflucht zur Theorie und meinen durch Philosophieren über dieTugend brave Männer zu werden. Damit verfahren sie gerade sowie solche Kranke, die alle Vorschriften ihres Arztes eifrig anhören,aber nicht das geringste von alle dem thun, was er verordnet. Sowenig nun diese bei solcher Kurartsich leiblichwohlbefindenwerden,so wenig werden es jene geistig bei ihrem thatlosenPhilosophieren.

Fünftes Kapitel.

1. Hiernächst müssen wir untersuchen, was die Tugend ist. Diein der Seele vorgehenden Bewegungen sind drei an der Zahl:Leidenschaften, Vermögen und Fertigkeiten; eins von diesen alsomuß die Tugend sein.

2. D. h. nicht jeder, der (zufällig oder dann und wann) dergleichen thut.

3. D. h. mit solcher Gesinnung und solchem Bewußtsein über dasWarum seines Handelns.