96
es auch bei uns möglich; da es aber bei uns nicht so ist, sogeht daraus hervor, daß es auch bei den Fischen nicht so ist. —Ueberdieß warum sterben sie denn in der Luft und warum zap-peln sie da, wie wenn sie erstickten, wenn sie doch athmen? Esist doch hierin gewiß nicht der Mangel an Nahrung schuld. DerGrund, welchen Diogenes dafür geltend macht, ist einfältig; ersagt, sie sterben deßhalb, weil sie in der Luft zu viel Luft ein-ziehen, während sie im Wasser nur ein mäßiges Quantum Lufteinziehen. Der gleiche Fall müßte auch bei den Landthieren denk-bar sein, nun aber erstickt kein Landthier dadurch, daß es zustark athmet. — Ferner: wenn alle Thiere athmen, so müßtenoffenbar auch die Insekten athmen; nun sehen wir, das; vieleInsekten fortleben, auch wenn man sie zerschneidet, nicht bloß inzwei Stücke, sondern in noch mehr, wie z. B. die sogenanntenTausendfüße; wie sollen nun diese athmen oder durch welchesOrgan? — An der unrichtigen Auffassung dieses Gegenstandsist hauptsächlich der Umstand schuld, daß man keine gehörigeKenntniß der inneru Theile besaß und nicht von dem Satz aus-ging, daß die Natur bei allem, was sie thut, einen Zweck hat;hätte man gefragt, zu welchem Zweck den Thieren das Athmenzukomme, und hätte man dieß im einzelnen untersucht, z. B. anden Kiemen und an der Lunge, so hätte man die eigentliche Ur-sache schneller gefunden.
Viertes Kapitel.
Ansicht Demokrits ft.
Demokrit sagt zwar, daß das Athmen für die Athmendengewisse Folgen habe, — es soll nemlich dadurch die Heraus-drückung der Seele aus dem Körper verhindert werden; — dochmeint er dieß nicht in dem Sinn, daß eben zu diesem Zweck dieNatur eine solche Einrichtung getroffen habe; denn wie die übri-gen Naturphilosophen, so weiß auch Demokrit überhaupt nichtsvon einer solchen Causalität. Er sagt nun: die Seele und das
>) S. Zeller S. 727 ss, Lrist. lls »»> I, 2.