es ist ganz richtig, wenn Ctrattis über Euripidcs spottet mit denWorten:
„Wer Linsen kocht, der gieße keine Salbe zu."
Wenn man jetzt in die Getränke solche Essenzen mischt, so er-zwingt man eben die Empfindung des Angenehmen durch dieGewohnheit, welche schließlich bewirkt, daß man meint, das An-genehme, das ans zwei Empfindungen entsteht, sei eigentlich Einsund cs liege nur Eine Empfindung zu Grund. Diese Art vonGeruch ist nun dem Menschen eigenthümlich; die andere Art aber,welche den Geschmälten entspricht, kommt auch den Thieren zu,wie oben bemerkt worden ist, und zwar sind die Arten dieserletzteren nach den Geschmäeken eingetheilt, weil sie das Angenehmenur accidentell enthalten, die Arten des ersteren Geruchs abernicht, weil ihre Natur an und für sich angenehm oder unange-nehm ist. Die Ursache, weßhalb dieser Geruch dem Menscheneigenthümlich ist, liegt in der Abkühlung, welche um das Gehirnher stattfindet. Da nemlich das Gehirn von Natur kalt ist undda das um das Gehirn her in den Adern befindliche Blut leichtund rein, aber leicht zu erkälten ist, (ein Grund, weßhalb auchdie Ausdünstung der Nahrung, indem sie wegen der Lage kaltwird, die krankhaften Flüsse hervorbringth, so ist den Menschenzur Förderung ihrer Gesundheit diese Art von Geruch zu theilgeworden; denn dieß und nichts Anderes ist die Funktion diesesGeruches. Es ist aber diese Wirkung ganz deutlich. Die-Nah-rung nemlich, die trockene wie die feuchte, ist, wenn sie auch an-genehm ist, so doch oft der Gesundheit nachtheilig, diejenige aber,welche aus dem an sich wohlriechenden Geruch kommt, ist fürjeden Zustand, also eigentlich immer wohlthätig. Und deßhalbwird der Geruch vermittelt durch das Athmen, doch nicht bei allenGeschöpfen, sondern uur bei den Menschen, und unter den mitBlut begabten Geschöpfen z. B. bei den Vierfüßlern und beidenen, welche mehr an der Natur der Luft Theil nehmen. In-dem nemlich die Gerüche zum Gehirn emporsteigen wegen der inihnen befindlichen Leichtigkeit der Wärme, ist das, was in dieserGegend liegt, gesünder, das Geruchsvermögen ist nemlich seiner