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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
108
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Freunde am häufigsten einander Vorwürfe machen. In manchenFreundschaften ist dieß nicht so gewöhnlich, z. V. in der Freund-schaft des Vaters znm Sohn kommt ein Vorwurf nicht vor, denman sonst bisweilen hören kann und den man so ausdrückt:wie ich dir, so du mir," sonst kommt es zu harten An-klagen. Allein bei Freunden, welche nicht einander gleich stehen,kann eben von Gleichheit der Ansprüche keine Rede sein. Soberuht auf Ungleichheit das Verhältniß des Vaters zum Sohn,des Weibes zum Mann, des Sklaven zum Herrn, überhaupt desNiedrigeren zum Höheren. Hier werden die genannten Vorwürfenicht Vorkommen, vielmehr nur da, wo die Freundschaft aufGleichheit beruht und die Freunde einander gleich stehen. Beisolchen Freundschaften also erhebt sich die Frage, wie man sichgegen den Freund zu benehmen habe.

Druck oon C. Hoffman» iu Stuttgart.