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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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möglich. Also muß wohl nach Allem gerade in dem Verhältnißder Tugendhaften zu einander die Lust sich finden. II

Nun haben wir drei Arten von Freundschaft unterschieden, xund hier die Frage aufgeworfen: ob die Freundschaft, wo sieentstehen soll, ein Verhältniß der Gleichheit oder ein Verhältnis;der Ungleichheit voraussetzt? In der That ist beides möglich.

Die Freundschaft, bei welcher Gleichheit stattfindct, ist die Freund-schaft der Tugendhaften, die vollkommene Freundschaft; dagegen -wo Ungleichheit stattfindet, haben wir die auf dem Nutzen be- !ruhende Freundschaft. So ist ja der Arme der Freund desReichen, weil er Mangel hat an dem, woran der Reiche Ueber-flnß hat; aus dem gleichen Grund ist der Schlechte der Freund ^des Tugendhaften, sofern es ihm nemlich an Tugend fehlt, dieer nun von dem Tugendhaften zu bekommen hofft. Also woUngleichheit stattfindet, haben wir die auf dem Nutzen beruhendeFreundschaft. Daher sagt auch Euripidcs:die Erde liebt denRegen, sobald der Boden trocken ist." Wo auf diese Weise der >Nutzen Freundschaft begründet, ist immer vorausgesetzt, daß diebeiden Parteien einander entgegengesetzt sind. So muß man jaauch vom Gesichtspunkt des Nutzens ausgehcn, wenn man dieeinander direkt entgegengesetzten Elemente, Wasser und Feuer,zusammcnbringen will. Wir sagen ja, das Feuer habe keineLebensfähigkeit, wenn cs keine Feuchtigkeit hat, wobei wir alsovoraussehen, daß die Feuchtigkeit dem Feuer eine Art von Nah- Irung mittheile, die freilich nicht zu einem solchen Maß anwachsen 9

darf, daß sie vom Feuer nicht mehr bewältigt werden könnte; z

sobald man nemlich die Feuchtigkeit in solchem Maß herstellt, s?

daß sie zu mächtig wird, so erlischt das Feuer, dagegen ist die ^

Feuchtigkeit nützlich, wenn sic das rechte Maß nicht überschreitet. ?

Mau sicht also deutlich, daß, wo der Nutzen das Fundament ^

der Freundschaft ist, vorher ein Gegensatz angenommen werden >muß. Uebrigens sind alle solche Freundschaften, mögen sic sein Verhältniß der Gleichheit oder der Ungleichheit voraussetze», cauf die angegebenen drei Arten zurückzuführen.

Bei allen Freundschaften sind nun ferner auch Streitig-keiten der beiden Theile unter einander möglich, wenn nemlich