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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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wandtheit im Dienste der Klugheit stehe. Aber gewandt kannman auch den Schlechten nennen: z. B. Mentor galt für gewandt,klug aber war er nicht. Dem Klugen nemlich und der Klugheitist es eigen, nach dem Besten zu streben und stets das Beste sichvorzusetzen und zu vollbringen, dagegen die Gewandtheit und derGewandte charakterisiren sich dadurch, daß sie auf die Mittel sichbesinnen, wodurch jegliches ausführbar ist, und daß sie diese Mittelbeschaffen. Hiemit also hat es der Gewandte zu thun.

Wenn man nun etwa verwundert fragen sollte, wie es dochkomme, daß wir in einer Untersuchung, welche das Sittliche unddas Bürgerliche zum eigentlichen Gegenstand hat, über die Weis-heit uns verbreiten, so ist darauf zu erwidern: erstlich liegt eineUntersuchung der Weisheit unsrem Gegenstand gar nicht so fern,wenn ja doch die Weisheit, wie wir annehmen, eine Tugend ist;dann aber ist es doch wohl Aufgabe des Philosophen, auch solcheGegenstände gelegentlich in den Bereich seiner Untersuchung zuziehen, welche zu demselben Gebiet gehören. Ja, es ist noth-wendig, alles zu berühren, da wir einmal mit dem, was in derSeele ist, uns beschäftigen. In der Seele hat aber auch die Weis-heit ihren Sitz. Es ist also keine Verirrung auf ein anderesGebiet, wenn wir unsere Betrachtungen auf die Seele ausdehnen.

Das Verhältniß nun, in welchem die Gewandtheit zur Klug-heit steht, scheint sich überhaupt bei allen Tugenden zu wieder-holen. Ich meine dieß so: es gibt Tugenden, welche von Na-tur in den einzelnen Menschen sich finden; so gibt es z. B. indiesem und jenem Individuum gewisse, nicht mit Vernunft ver-bundene Triebe ans das Muthige und Gerechte und so aus das,was sonst noch den Gegenstand der verschiedenen Tugenden bildet.Andererseits gibt es auch Tugenden durch Gewöhnung und Vor-satz. Die Tugenden nun erlangen erst durch ihre Verbindungmit der Vernunft die eigentliche Bedeutung von Tugenden undwerden erst hiedurch lobenswerth. Daher ist die obgenannte natür-liche, unvernünftige Tugend, solang sie eben von der Vernunftgetrennt ist, gering und ermangelt des Lobs, gesellt sie sich aberzur Vernunft und zum Vorsatz hinzu, so bewirkt sie eine voll-kommene Tugend. Daher steht dieser natürliche Trieb zur Tu-