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Achtmidzwanzigstes (29.) Kapitel.
Vom würdigen Benehmen.
Würdiges Benehmen steht in der Mitte zwischen Kriechereiund Selbstgefälligkeit. Es bezieht sich auf den Verkehr mitAndern. Der Selbstgefällige nemlich ist ein Mensch, der mitniemanden verkehrt und mit niemand sich in ein Gespräch em-läßt und offenbar hat er auch von diesem Wesen den Namen.Er ist nemlich ein Mensch, welcher sich selber gefällt. Kriechereidagegen zeigt derjenige, der mit jedermann und unter allen Um-ständen und überall sich einläßt. Keiner von diesen beiden istzu loben. Wohl aber verdient derjenige Lob, welcher ein wür-diges Benehmen zeigt und so in der Mite zwischen jenen beidensteht. Er knüpft nicht mit jedermann Verkehr an, sondern nurmit denen, welche es verdienen, er meidet aber auch nicht jedenVerkehr, beschränkt ihn aber auf Leute, die desselben werth sind.
Neunuudzwanzigstes (30.) Kapitel.
Von der Schamhaftigkeit.
Die Schamhaftigkeit steht in der Mitte zwischen Scham-losigkeit und Blödigkeit; sie bezieht sich auf Reden und aufHandlungen. Der Schamlose ist nemlich ein Mensch, welcherüberall und gegenüber von jedermann redet und thut, was ihmgerade einfällt. Das Gegentheil hievon bildet der Blöde oderSchüchterne: dieser findet in allem und in jedermann ein Be-denken für sein Reden und Handeln. Wer so aber überall ängst-lich ist, der ist für's praktische Leben unbrauchbar. Die Scham-haftigkeit dagegen und der Schamhafte stehen in der Mitte. DerSchamhafte wird nicht alles unter allen Umständen reden undthun, wie der Schamlose, er wird aber auch nicht in allemüberall Bedenklichkeiten finden, wie der Blöde oder Schüchterne,sondern er wird reden und handeln im rechten Fall und zurrechten Zeit und wird da überall reden und thun, was recht ist.