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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Neuntes Kapitel.

Von der Verschiedenheit der sophistischen Schlüsse in Beziehung ansden Inhalt.

Alle die Gründe, auf welchen das Zustandekommen einesGegenschlusses, einer Widerlegung beruht, kann man nicht aufzu-zähleu versuchen, wenn man nicht die Kenntuiß alles Seiendenbesitzt. Dieß ist aber nicht die Aufgabe irgend einer Kunst, denndie Wissenschaften sind ja doch Wohl unendlich, also natürlich auchdie Beweise. Die Gegenschlüsse sind aber theilweise auch wahr;denn was sich beweisen läßt, läßt sich auch widerlegen dadurch,daß mau den Widerspruch des als wahr Behaupteten setzt, z. B.wenn behauptet ists, der Durchmesser sei commensurabel, so liegtdie Widerlegung in dem Beweis, daß er incommensurabel ist.Also müßte man in Allem bewandert sein; denn die Widerlegun-gen beruhen bald auf den geometrischen Principien und den dar-aus sich ergebenden Schlußfolgerungen, bald auf den Principiender Medicin, bald auf denen der übrigen Wissenschaften. Jedochauch die Trugschlüsse haben ein unbegrenztes Gebiet; denn fürjede Knust gibt cs einen Trugschluß, für die Geometrie den geo-metrischen, für die Medicin den medicinischeu. Was für eineKunst oder Wissenschaft gilt, das ist eigentlich von ihren Prin-cipien zu verstehen. Es ist also klar, daß hier die Gesichtspunktenicht für alle Widerlegungen aufzustellen sind, sondern nur sofernsie die Dialektik angeheu; denn diese rein dialektischen Gesichtspunktegelten ganz allgemein für jede Kunst und jedes Vermögen. Denfür jede einzelne Wissenschaft geltenden Gegenschluß hat der Fach-mann zu untersuchen, ob er nur scheinbar etwas ist, ohne wirk-lich zu sein, und wenn er wirklich ein Schluß ist, ans welchenGründen; dagegen der Dialektiker hat es zu thuu mit den Wider-legungen, welche auf den allgemeinen Gesichtspunkten beruhen undkeiner bestimmten Wissenschaft oder Kunst angehören. Wenn wirnemlich wissen, aus was die wahrscheinlichen Schlüsse auf jedemeinzelnen Gebiet folgen, so wissen wir auch, aus was die Wider-legungen; denn die Widerlegung ist ein Schluß auf den Wider-