Neuntes Buch
oder
Von üen soplnßiscken Beweisen.
Erstes Kapitel.
Unterschied der wahre» und der sophistischen Beweise.
Nunmehr müssen wir reden von den sophistischen Beweisenund von solchen, welche zwar als Beweise sich hinstellen, alleinkeine wirklichen Beweise und Schlüsse, sondern Trugschlüsse sind.Dabei beginnen wir mit dem, was der Natur der Sache nachdas erste ist.
Es ist einleuchtend, daß die Schlüsse zum Theil wirklicheSchlüsse sind, zum Theil nur so scheinen, ohne cs wirklich zusein. Es ist in dieser Beziehung mit den Beweisgründen undBeweisführungen gerade so, wie es auch in sonstigen Beziehungenist, wo man eine gewisse Aehulichkeit zu Hilfe nimmt. Auch inkörperlicher Beziehung haben die Einen wirklich eine gute Kon-stitution, Andere nur scheinbar, indem sie auf gemeine Weise sichaufblasen und ausstaffiren; die Einen sind in der That schön,Andere scheinen nur cs zu sein, weil sie sich aufgeputzt haben.Ganz so ist es auch bei den unbelebten Dingen: das Eine ist inder That Silber oder Gold, Anderes ist es nicht, scheint aberfür die Sinne es zu sein, wie z. B. das, was von Messing ist,oder aus Zinn und Silber zusammengesetzt, oder was eine Gold-farbe hat. Ebenso gibt es einerseits Schlüsse und Beweise, welche