204
man die Disputation an sich oder ob inan den Fragenden tadelt;denn es ist ganz Wohl möglich, daß die Disputation schlecht ist,der Fragende aber doch so gut als irgend möglich gegen den Ant-wortenden disputirt. Gegen solche freilich, Welche unnöthigeSchwierigkeiten machen, ist es Wohl nicht möglich, sofort solcheSchlüsse anfzuführen, wie man gerne möchte, da muß man ebenthun was man kann.
Da es nun nicht zu berechnen ist, wann die Menschen ihreanfängliche Ansicht festhalten und wann sie das Gegentheil da-von annehmen (oft nemlich befinden sie sich, wenn sie für sichüberlegen, im Widerspruch mit sich selbst, und was sie anfangsgeleugnet haben, geben sie später zu; woher es kommt, daß sieauf Fragen hin oft auf das Gegentheil von ihrer ursprünglichenAnsicht mit Ja antworten), so müssen dadurch nothwendig dieDisputationen mangelhaft werden. Schuld daran ist aber derAntwortende, indem er theils nicht zugibt, thcils in der genann-ten Weise zugibt. So ist also klar, daß es ein Unterschied ist,ob man die Disputation selbst oder die Disputirenden tadelt.
Was den Tadel der Disputation selbst betrifft, so kann die-ser auf fünferlei Weise begründet werden. Erstlich wenn aus demGefragten kein Schlußsatz sich ergibt, weder der aufgestellte, nochüberhaupt einer, weil die Prämissen falsch oder unwahrscheinlichsind (alle oder die meisten), worauf der Schlußsatz beruht, undwenn der Schlußsatz weder durch Zusätze noch durch Weglassun-gen, noch auch durch theilweise Zusätze und thcilweise Weglassun-gen sich erzielen läßt. Die zweite Art trifft zu, wenn gegen dieThesis nicht Schlüsse gezogen werden aus den angegebenen Vor-dersätzen und in der angegebenen Weise. Drittens wenn etwashinzugesetzt werden muß, um den Schluß zu gewinnen, das Zu-gesetzte aber schlechter ist als das Gefragte und weniger wahr-scheinlich als der Schlußsatz. Ferner wenn man etwas weglassenmuß; bisweilen nemlich nimmt man mehr als nothwendig ist, sodaß nicht gerade aus diesen bestimmten Voraussetzungen der Schlußsich ergibt. Endlich wenn aus Sätzen geschlossen wird, welcheunwahrscheinlicher und weniger sicher sind als die Schlußfolge-