s höchsten Grad ein gewisses Prädikat besitzt, so muß inan sehen,
? ob auch dem andern dasselbe Prädikat im höchsten Grad beizu-
- legen ist, wie z. B. wenn Xenokrates sagt, das glückselige Leben/ und das tugendhafte Leben seien identisch, da ja das glückseligewie das tugendhafte Leben das allerwünschenswertheste seien, dasWünschenswerteste sei ja bloß Eins, wie das Größte. Undebenso ist es in allen ähnlichen Fällen. Es muß aber jedes,was als das größte oder wünschenswertheste bezeichnet wird, derZahl nach Eins sein, sonst ist die Identität keineswegs bewiesen;denn es ist z. B. nicht richtig, wenn von den Hellenen die Pe-loponnesier und die Lacedämonier die tapfersten sind, daß diePeloponnesier identisch sind mit den Lacedämoniern, da ja Pelo-ponnester und Lacedämonier nicht der Zahl nach Eins sind. Viel-mehr muß der eine im andern begriffen sein, wie die Lacedämo-nier in den Peloponnesiern. Sonst wäre die Konsequenz, daßimmer die einen tapferer wären als die Andern, wenn nicht dieeinen in den andern begriffen sind; denn die Peloponnesier sollenja tapferer als alle Andern sein. Ebenso müßten aber auch dieLacedämonier tapferer sein als die Peloponnesier, denn auch dieLacedämonier sollen ja tapferer sein, als alle Andern. Also wärenimmer die Einen tapferer als die Andern, und umgekehrt. Hier-aus ist klar, daß das, was als das beste und wünschenswerthestebezeichnet wird, der Zahl nach Eins sein muß, wenn die Identitätbewiesen werden soll. Deßhalb ist auch der Beweis des Leno-krates nicht zwingend, denn das glückselige und das tugendhafteLeben sind nicht der Zahl nach Eins, also muß auch nicht noth-wendig Identität stattfinden, sondern das eine ist im andernbegriffen.
Ferner muß man untersuchen, ob mit demjenigen Dritten,mit welchem das eine von zwei Dingen identisch ist, auch dass andere identisch ist; wenn nemlich nicht alle beide mit demselbendritten identisch sind, so ist klar, daß sie auch nicht mit einander! identisch sind.
! Ferner muß man sehen nach dem, was den identisch sein
! sollenden Dingen zukommt, und nach dein, welchem sie selber zu-! kommen; was nemlich dem einen zukommt, muß auch dein andern