Druckschrift 
3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

metrie des Warmen und Kalten definirt wird; in diesem Fallmüßte das Warme und Kalte gesund sein; denn die Symmetrieist doch immer in demjenigen, dessen Symmetrie sie ist, alsomüßte die Gesundheit dem Warmen und Kalten zukommen. Fer-ner ist die Folge solcher Definitionen, daß das Bewirkte als dasBewirkende genommen wird und umgekehrt. Denn der Schmerzist nicht die Trennung der zusammengehörigen Theile, sonderndiese Trennung bewirkt den Schmerz; ebenso ist der Schlaf nichtdas Unvermögen der sinnlichen Wahrnehmung, sondern das einewird durch das andere bewirkt. Denn entweder gerathen wir inSchlaf in Folge dieses Unvermögens oder haben wir dieses Un-vermögen in Folge des Schlafs. Ebenso wird auch anzunehmensein, daß die Gleichheit der entgegengesetzten Gedanken den Zwei-fel bewirkt; denn wenn wir eine Sache nach beiden Seiten hinerwägen und finden, daß auf der einen Seite alles ebenso liegtwie auf der andern, so sind wir im Zweifel, welches von beidenwir thun sollen.

Ferner ist auch auf die Zeitbestimmungen zu achten, obnicht da irgend ein Mangel au Uebereinstimmuug ist, wie z. B.wenn man das Unsterbliche definirt als das jetzt Unvergängliche;denn das jetzt Unvergängliche wäre das jetzt Unsterbliche. Viel-leicht aber trifft es auf diesen Fall nicht zu; denn der Ausdruckjetzt unvergänglich" ist zweideutig; entweder nemlich bezeichneter, daß die Sache jetzt nicht vergangen ist oder daß sie jetzt nichtvergehen kann oder daß sie jetzt von' der Art ist, daß sie nievergeht. Wenn wir nun sagen, daß ein Wesen jetzt unvergäng-lich ist, so wollen wir damit sagen, es sei jetzt von der Art, daßes nie vergeht. Dieß aber Ware identisch mit unsterblich, so daßes also nicht zuträfe, daß es jetzt unsterblich wäre. Aber immer-hin wenn es so ist, daß das in der Definition Angegebene jetztoder früher vorhanden ist, das aber im Namen Angegebene ')nicht, so sind beide nicht identisch. Diesen Gesichtspunkt mußman also in der angegebenen Weise verwenden.

l) Das zu Definirende,