finition zu Grund gelegt ist und der Gegner kann den perfidenEinwurf machen, der Begriff paffe nicht auf alle die Bedeutungen,welche in der Definition enthalten sein sollen. Hauptsächlich istein solches Verfahren dann möglich, wenn die Homonymie ver-steckt ist. Der Gegner kann übrigens in einem solchen Fall auchselbst die verschiedenen Bedeutungen des zu Desinirenden unter-scheiden und darauf seine Schlüsse begründen; wenn nemlich dieBestimmung auf keine dieser Bedeutungen ganz zutrifft, so istklar, daß die Definition nicht richtig ist.
Ferner kann die Undeutlichkeit darauf beruhen, daß man sicheiner metaphorischen Wendung bedient, z. B. wenn man sagt, dieWissenschaft sei unerschütterlich oder die Erde sei eine Amme oderdie Selbstbeherrschung sei eine Harmonie. Die metaphorischenAusdrücke sind nemlich immer undeutlich. Man kann übrigensauch einem metaphorischen Ausdruck in tendenziöser Weise dieWendung geben, als sei er eigentlich gemeint; dann wird nemlichdie aufgestellte Definition nicht zutreffen, wie z. B. bei der Selbst-beherrschung; denn eine Harmonie im eigentlichen Sinn bestehtimmer in Tönen. Ferner wenn die Harmonie die Gattung derSelbstbeherrschung sein soll, so wäre eins und dasselbe in zweiGattungen, welche einander nicht in sich begreifen; denn wederbegreift die Selbstbeherrschung die Tugend in sich, noch die Tugenddie Selbstbeherrschung.
Ferner ist man undeutlich, wenn man Ausdrücke gebraucht,die nicht allgemein üblich sind, wie z. B. Plato, wenn er sagt,das Auge sei Braucn-umschattet, oder die Spinne sei voll Bisse-Fäulniß, oder das Mark sei Knochen - entstammt; alles Unge-bräuchliche ist nemlich undeutlich.
In manchen Fällen ist der gebrauchte Ausdruck weder ho-monym noch metaphorisch noch eigentlich gemeint, wie wenn mausagt, das Gesetz sei das Maß oder das Bild dessen, was vonNatur recht ist. Solche Ausdrücke sind noch schlimmer als dieMetapher; die Metapher nemlich macht doch bis zu einem ge-wissen Grad dasjenige deutlich, was vermittelst der Aehnlichkeitbezeichnet wird, sofern man ja, wenn man einen metaphorischenAilsdruck gebraucht, immer von einer gewissen Aehnlichkeit aus-