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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Zehntes Kapitel.

Vom dialektischen Satz.

Zunächst wollen wir bestimmen, was man unter einemdialektischen Satz und unter einem dialektischen Problein zu ver-stehen hat; man darf nemlich nicht jeden Satz und ebensowenigjedes Problem ohne weiteres als dialektisch bezeichnen. Es wirdja keinem verständigen Menschen einfallen einen Satz aufzustellen,mit welchem Niemand einverstanden ist, oder ein Problem vorzn-legen, welches allen oder den Meisten klar ist; denn im letzterenFall ist kein Zweifel vorhanden, das erstere aber wird Niemandaufstellen. Was nun den dialektischen Satz betrifft, so ist dar-unter zu verstehen eine Frage, welche entweder Allen oder denMeisten oder den Verständigen wahrscheinlich ist, und unter letz-teren wieder entweder Allen oder den Meisten oder den Ange-sehensten, eine Frage also, welche nicht unwahrscheinlich ist; manwird nämlich das annehmen können, was den Verständigen gefällt,wenn es nicht der Ansicht der Mehrzahl entgegengesetzt ist. Zuden dialektischen Sätzen gehört aber auch das, was dem Wahr-scheinlichen ähnlich ist und die Negation desjenigen, was demals wahrscheinlich Erscheinenden entgegengesetzt ist, ferner auch dieAnsichten, welche auf den einzelnen allmälich entdeckten Fach-kenntnissen beruhen. Ist es also z. B. wahrscheinlich, daß esEine und dieselbe Wissenschaft gibt für das Entgegengesetzte, sowird es auch wahrscheinlich sein, daß es auch Eine und dieselbeSinneswahrnehmung für das Entgegengesetzte gibt; und wenn eswahrscheinlich ist, daß die Grammatik der Zahl nach Eine ist, sogilt dasselbe auch vom Flötenspiel, gibt es aber mehrere gram-matische Wissenschaften, so wird es auch mehrere Arten des Flöten-spicls geben; denn alles dieß ist doch offenbar ähnlich und gat-tungsverwandt. Ebenso wird auch das wahrscheinlich sein, wasdem Wahrscheinlichen entgegengesetzt ist, sobald man die Negationdazu setzt; ist es nemlich wahrscheinlich, daß man den Freundengutes thun muß, so ist es auch wahrscheinlich, daß man ihnenAristotele»' Topik. 2