Vicrundzwanzigstes Kapitel.
177
teil vor der Tragödie durch den Umstand voraus, daß eszwar in der Tragödie nicht statthaft ist, mehrere zu gleicher
„Durchgefallener" einen Preis erhalten habe. Allerdings war eS schonetwas, als Preisbewerber überhaupt aufgetreten zu sein, denn cs ging eineAnmeldung bei dem A'rchon* und eine Prüfung der Stücke durch den-selben vorher. Also: Nach Sauppe wurde an je drei Tagen, von je dreitragischen Dichtem, jeden Vormittag eine Trilogie' gegeben (nachmit-tags folgte die Aufführung der Komödien). Jede Aufführung einer tra-gischen Triologie nebst Sa'tyrstück erforderte mindestens sieben StundenZeit. Ziehen wir nun hieraus ein Resultat für das Verständnis unsererAristotelischen Stelle, so lautet auf die Frage: „Wie groß würde jetzt derrichtige Umfang eines E'pos sein?" die Antwort: Entweder gegen 5000Verse, wenn p.l« axpo«c>w auf einen Tag geht und wenn wir denUmfang einer tragischen Trilogie nebst Satyrdrama auf 5000 Verse an-nehmen, oder gegen 15000 Verse, wenn wir annehmen, daß Aristo'telesvon der Aufführung aller drei Trilogieen an einem Festwcttstreite spricht.Dies letztere möchte das richtigere sein. Denn die J'lias hatte z. B. nahezusiebzehnthalbtausend Verse (16481). Ein Epos dürfte also nach
Aristoteles ohne Schaden etwas kürzer sein, und seine größte Ausdeh-nung würde immer noch anderthalbtausend Verse weniger als die Iliasbetragen. Dies Resultat stimmt auch sonst ziemlich gut mit der obigenBerechnung. Denn wenn drei Trilogieen, an drei Tagen aufgeführt, zu-sammen etwa einundzwanzig Stunden zur Aufführung erfordern, so dürftediese Zeit für eine Rezitation der Ilias in antiker Weise schwerlich aus-reichen und wohl noch um einige Stunden zu vermehren sein. Schließlichlehrt eine Stelle der Poetik (Kap. VII, § 6), daß allerdings für dieLänge der Tragödie mit Rücksicht auf die zur Aufführung erforderlicheZeit feste Bestimmungen bestanden. „Aber diese Bestimmungen",
sagt dort Aristoteles, „haben mit dem Wesen der Tragödie nichts zu thun,sind rein äußerliche und zufällige." Er deutet dann mit dem darauffolgenden Scherzworte an, wie mir scheint, daß die einzelne Tragödiesehr wohl länger sein könnte, als ihr Maß bei den Griechen war,eben weil dies Maß ein rein äußerliches war und von dem zufälligen
* Der Laut, hinter dem das Zeichen ' fleht, hat den Ton: Deutschland ü'ber a'lles.
sLanyrnscheidtsckeB.zr.u.röm.Kl ; Bd. 28; L!r,>. 8 .j Aristoteles III. 1 2