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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Aristoteles, Poetik.

schwere That aus Unwissenheit zu begehen, zur Erkenntnis^kommt, bevor er sie ausführt.

Damit sind alle möglichen Fälle erschöpft; denn notwendigvollbringt entweder der Handelnde seine That oder er vollbringtsie nicht, und ebenso weiß er entweder, was er thut, oder erweiß es nicht.

Hier ist nun der Fall, daß einer, der die Natur seinerThat zwar kennt, aber sie dennoch thun will und doch nichtvollführt, der verwerflichste. Denn das Frevelhaftgräßliche desEindrucks bleibt, ohne daß ein solcher Fall tragisch wäre, weildas Erschütternde der vollbrachten That fehlt. Darum komponiertauch kein Dichter so, wenige seltene Fälle ausgenommen, wie z. B.in der Anti'gone'mon den Kre'on" (töten will aber nicht

12. D. h.: Zur Erkenntnis der wahren Natur seiner That, indemer erfährt, wer der Gegenstand derselben ist. Vgl. die interessante Parallel-stelle in Aristoteles' Kritik der Platonischen Weiber- und KindergeineinschaftPolitik II, Kap. I, § 14.

13. Gruppe(Aria'dne, S. 556), Müller a. a. O. II, S. 155, undRitter halten diese Stelle vondarum" bisKreon" ganz oder teilweisefür das Einschiebsel eines späteren Lesers der Poetik, weil sie einen un-gerechten Tadel des Sophokles in sich schließe. Mit Unrecht. Die Bemer-kung des Aristoteles über das unnütz Gräßliche des Eindrucks, denein solcher bewußter Vorsatz zu einer That macht, deren frevelhafte Naturder, welcher sie thnn will, in ihren: vollen Umfange kennt und die er an:Ende doch nicht vollzieht, ist ebenso fein und richtig, als das Beispielder Ausnahme gut gewählt. Denn Aristoteles tadelt den Sophokles ganzund gar nicht, er führt vielmehr das Verhalten Hämons in derAntigone"gegen seinen Vater Kreon als einen der seltenen Fälle an, wo der Dichtersich erlaubte, scheinbar gegen die von ihm hier ausgestellte allgemeine Regelzu verstoßen. Bekanntlich rnft Hämon bei Sophokles (Antigone V. 1474)ii: der Leidenschaft höchster Verzweiflung seinem Vater, der sich nicht er-bitten lassen will, die Antigone, seine Braut, zu begnadigen, die Worte zu:

So stirbt sie also! Doch ihr Tod reißt einen mit!"

Der Vater versteht diese Worte als eine gegen ihn gerichtete Drohung,