Aristoteles' Poetik
Erstes Kapitel.
1. Uber das Wesen der Dichtkunst sowohl im allgemeinenals über ihre verschiedenen Formen und deren Bedeutung im beson-deren und einzelnen, über die Frage: wie man die dichterischen Stoffebehandeln muß, wenn die Dichtkunst ihrer Aufgabe entsprechen soll,ferner über die Zahl und Beschaffenheit der Bestandteile jeder ein-zelnen Dichtungsform und ebenso endlich über alles Andere, wasdiesem wissenschaftlichen Kursus angehört, wollen wir jetzt sprechen,und zwar so, daß wir dem natürlichen Entwickelungsgange gemäßden Anfang mit den Grundbegriffen machen.
2. Also: die epische Dichtung und die tragische Poesie,ferner die Komödie und die Dithyra'mbik*^ und dazu demgrößten Teile nach die Aule'tik und Kithari'stik^ treffen sämtlich
1. D. h. die Lyrik.
2. D. h. die Instrumentalmusik. (Die nähere Erklärunggibt Müller, Geschichte der Theorie der Kunst bei den Alten, II, S. 356bis 358.) Diese hatte schon in Pla'to's Zeit den Charakter des Nach-ahmcnden angenommen und beeiferte sich, nicht nur Gemütsstimmungen,sondern alle möglichen Erscheinungen nebst deren Lauten, Bewegungenund Handlungen nachzuahmen, eine Tendenz, gegen welche Plato sich
* Der Laut, hinter dem das Zeichen * steht, hat den Ton: Deutschland n'ber a'tles.92 sSangenscheid1scheB.gr. u.rüm.«s.;Bd. 22;Lfrg. 6.) Aristoteles III. 5