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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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daß das Mathematische nicht getrennt existirt; denn wäre es getrennt, sowürden seine Bestimmtheiten nicht in den Körpern sich vorfinden. Indieser letzteren Beziehung kann man den Pythagoreern keinen Äorwursmachen; sofern sie dagegen die physischen Körper aus Zahlen bestehenlassen, also Leichtigkeit und Schwere aus solchem, was weder Leichtig-keit noch Schwere hat, muß es uns Vorkommen, als sprächen sie voneinem ganz andern Himmel und von ganz anderen Körpern, aber nichtvon den sinnlichen. Diejenigen dagegen, welche die Zahl trennen, weildie mathematischen Axiome') auf das Sinnliche nicht zutreffen wür-den, während doch diese Axiome wahr seien und die Seele befriedigen,nehmen eine Existenz, und zwar eine abgesonderte, der Zahl an, ebensoauch hinsichtlich der mathematischen Größen. Es ist nun klar, daßman von entgegengesetztem Standpunkt aus auch Entgegengesetztes be-haupten muß und die vorhin angeregte Schwierigkeit tritt auch hierein, sofern bei dieser Behauptung die Frage zu lösen ist: warum doch,wenn das Mathematische gar nicht in den sinnlichen Dingen sein soll,seine Bestimmtheiten den sinnlichen Dingen zukommen? Manchenun gehen davon aus, daß der Punkt die Grenze und das Aeußersteder Linie ist, die Linie Grenze und Aeußerstes der Flache, die Flächedes Körpers, und glauben hieraus schließen zu dürfen, daß nothwendigsolche Wesen existiren. Wir müssen nun auch diese Behauptung an-sehen, ob sie nicht vielleicht gar zu haltlos ist. Das Aeußerste ist dochnicht Substanz, vielmehr alles Aeußerste ist eben Grenze, da es ja auchbeim Gehen und überhaupt bei der Bewegung eine Grenze gibt. DieseGrenze nun soll ein Bestimmtes, eine Substanz sein. Das ist aberwidersinnig. Indessen, wenn es auch existirt, so existirt es doch immeran diesen sinnlichen Dingen; denn von diesen ist die Behauptung aus-gegangen. Warum soll es nun getrennt für sich existiren? Fernermöchte, wenn man nicht gar zu leichtfertig zu Werk gehen will, in Be-treff der Zahl überhaupt und des Mathematischen der Punkt zu er-wägen sein, daß das Frühere für das Spätere nichts zu bedeutenhaben soll ; denn wenn auch die Zahl nicht ist, so sollen dochwenn man blos das Mathematische annimmt, nichts destoweniger die

1) AIS unveränderlich, während bas Sinnliche veränderlich ist.

2) S. XII, 10 Nn.