Vierzehntes Buch.
Erstes Kapitel.
Ueber die Platonischen Principien.
Soviel über die Substanz; cs lassen nun aber Alle, wie im Ge-biet des Natürlichen, so auch in Beziehung auf die unbeweglichenSubstanzen, die Principien aus Gegensätzen bestehen. Ist cs nun aberundenkbar, daß etwas früher sei, als das Princip aller Dinge, so istes doch wohl unmöglich, daß das Princip Princip sei, indem es einanderes ist'). Es wäre gerade, wie wenn man sagen wollte, dasWeiße sei Princip, nicht sofern es ein Anderes, sondern sofern es dasWeiße sei, allein es sei eben doch an einem Substrat — und sei dem-nach weiß, sofern es ein Anderes ist; denn das Substrat muß ja dochfrüher sein. Nun aber setzt Alles, was aus Entgegengesetztem wird,ein Substrat voraus; es muß also dem Entgegengesetzten ganz beson-ders ein Substrat zukominen. Also ist immer alles Entgegengesetztean einem Substrat und ist nichts für sich ExistirendeS. Der Substanzaber ist nichts entgegengesetzt, wie der Augenschein zeigt und wie einevernünftige Betrachtung bezeugt. Also ist nichts, was einen Gegensatzhat, im höchsten Sinn Princip von Allem, sondern es ist immer einAnderes. — Diejenigen aber, welche den einen der Gegensätze zurMaterie machen, lassen theils gegenüber dem Eins als dem Gleichendas Ungleiche Materie sein, von der Voraussetzung aus, daß das Un-
>) D. h. indem eS an einem Andern ist, ein Substrat vorausseht, an demeS ist.