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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
256
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so wäre das Resultat, daß das Wenige eine Mehrheit wäre'). Alsowäre auch das Eins eine Vielheit, wenn es ja doch ein Wenigeswäre, das letztere aber ist nothwendig der Fall, wenn Zwei ein Vielesist. Allein wenn auch das mehrheitliche Viele in gewissem Sinngleichbedeutend ist mit dem einheitlichen Vielen, so ist dabei doch zuunterscheiden; z. B. das Wasser ist ein einheitliches Viele, aber keinmehrheitliches. Vielmehr wird das letztere gebraucht bei dem, was inTheile zerlegt werden kann, einmal wenn es eine besonders großeMenge ist, entweder schlechthin oder relativ, wo dann das Wenige inähnlicher Weise eine besonders kleine Menge bedeutet, sodann alsZahl, in welcher Beziehung es dem Eins allein gegenübersteht. Wirsagen nemlich dann Eins und Vieles, wie wenn man sagt: Eins undviele Eins, Ein Weißes und viele Weiße, und wie man vom Gemesse-nen und Meßbaren redet im Verhältnis; zum Maß?). In diesem Sinnwird auch das Vielfache gebraucht, denn jede Zahl ist ein Vieles, weilsie eine Mehrheit von Einheiten und weil sie durch Eins meßbar ist,und sie steht so dem Eins gegenüber, nicht dem Wenigen. So ist dennein Vieles auch Zwei, aber nur als erste Vielheit, nicht als etwas,was eine besonders große Vielheit enthielte, schlechthin oder relativ.Dagegen ist Zwei schlechthin ein Weniges, sofern es die erste Vielheitist, welche eine besonders kleine Vielheit ist. Es ist daher ungerecht-fertigt, wenn Anaxagoras hievon abweichend sagt, alle Dinge seien ineinanderunendlich nach Menge und Kleinheit"; anstattnach Klein-heit" hätte er sagen sollen:nach Wenigkeit", sonst wären sie nichtunendlich; denn das Wenige ist nicht von wegen des Eins, wie Manchebehaupten, sondern von wegen der Zwei. So stehen also das Einsund das Viele in den Zahlen einander gegenüber, wie das Maß demGemessenen, diese aber verhalten sich zu einander als Relatives, nem-lich als solches, welches nicht an und für sich ein Relatives ist. Es istja anderswo 3) näher aus einander gesetzt worden, daß das Relative

') Sofern es eben unter die Kategorie der Menge oder Vielheit fällt; eSwäre dann zwischen Viel und Wenig kein Gegensatz mehr, sondern nur ein rela-tiver Unterschied.

2) D. h. das Eins verhält sich zum Vielen, wie das Maß zum Gemessenenoder Meßbaren.

3) V. 15.