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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
254
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Schwierigkeit käme denjenigen zu statten, welche sagen, das Ungleichesei eine Zweiheit. Aber auch so bliebe es dabei, daß Eins Zweien >)entgegengesetzt wäre, was doch unmöglich ist. Ferner ist offenbar dasGleiche ein Mittleres zwischen Groß und Klein, ein Gegensatz aber istdoch nie ein Mittleres und kan» es auch nach der Definition gar nichtsein; denn als Mittleres wäre er ja nicht vollendet; vielmehr hat einGegensatz immer etwas Mittleres zwischen seine» beiden Gliedern. Esbleibt also übrig, daß die Gegenüberstellung gefaßt werde als Vernei-nung oder als Beraubung. Dieß kann sich aber nicht bloß auf daseine oder andere beziehen, denn warum vorzugsweise auf das Großeoder das Kleine? Also ist es eine beraubende Verneinung von beidem.Darum gebraucht man auch dasob oder" gegenüber von beidem,nicht aber bloß gegenüber von dem einen oder andern; man fragtnicht: ob etwas gleich sei oder größer? auch nicht: ob es gleich seioder kleiner? sondern man hat in der Frage immer alle drei 'Glieder.Es ist aber nicht eine Beraubung, die überall nothwendig wäre,denn nicht alles ist gleich, was nicht größer oder kleiner ist, sondernnur bei dem, worin das Große und Kleine sein kann^). So ist alsodas Gleiche das, was weder groß noch klein ist, wohl aber seiner Na-tur nach groß und klein sein kann, und es steht beiden gegenüber alseine beraubende Verneinung, weßhalb es auch ein Mittleres ist. Sosteht auch das, was weder gut noch bös ist, beidem, dem Guten unddem Bösen gegenüber, nur hat es keinen bestimmten Namen; denngut und bös wird in vielen Bedeutungen gebraucht, und es ist nichtEin Bestimmtes vorhanden, in welchem es sein könnte; mehr ist dießder Fall bei dem, was weder weiß noch schwarz ist. Allein auch dasürhat man nicht Eine Bezeichnung, vielmehr sind es irgendwie bestimmteFarben, von welchen diese Verneinung als Beraubung ausgesagtwird; man hat dabei nothwendig entweder das Graue oder das Blasseoder etwas dergleichen. Es ist daher der Tadel derjenigen ungerecht-fertigt, welche meinen, man könne von allem in gleicher Weise reden,so daß es ein Mittleres geben müßte zwischen Schuh und Hand, et-was, was weder Schuh noch Hand wäre, wenn es ja doch zwischen

>) Eofern eben das Ungleiche eine Zweiheit wäre aus Groß und Klein.2) D. h. im Quantitativen.