Druckschrift 
6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
73
Einzelbild herunterladen
 

Ueber diese Frage gehen die Ansichten auseinander und jede von bei-den hat ihre Vertreter. Plato und die Pythagoreer sind der Ansicht,das Eins und das Seiende seien nicht Bestimmtheiten von irgend etwasAnderem, sondern ihr Wesen sei dieß, daß sie nicht Prädikate einesAndern seien, und man müsse annehmen '), daß das Einsan sich unddas Seiende an sich die Substanz sei. Anders die Naturphiloso-phen ; so bringt z. B. Empedokles die Sache auf einen verständlicher»Ausdruck, wenn er sagt ^), was das ist, welchem das Eins als Prä-dikat zukomme; er bezeichnet dieß, wie man annimmt, als die Freund-schaft, diese ist bei ihm wenigstens für Alles die Ursache des Einsseins.Andere legen dieses Eins und das Seiende dem Feuer oder der Luftals Prädikate bei, woraus dann die Dinge seien und geworden seien. Ebenso verfahren auch die, welche mehrere Elemente annehmen;denn nothwendig müssen bei ihnen das Eins und das Seiende einvielfaches sein, dessen Zahl der Zahl der von ihnen angenommenenPrincipien entspricht. Nimmt man nun aber an, das Eins unddas Seiende seien nicht Substanz, so kommt man aus das Resultat,daß auch sonst nichts Allgemeines möglich ist''); denn jene beiden sinddas Allgemeinste, was man sich denken kann. Gibt es kein Einsan sich und kein Seiendes an sich, so wird kaum die Existenz vonirgend etwas Anderem zu retten sein, abgesehen von den Einzeln-dingen. Ist aber das Eins nicht Substanz, so ist klar, daß auch dieZahl nicht existiren kann als ein von den Dingen getrenntes Wesen;denn die Zahl besteht aus Einheiten, die Einheit aber ist eben, wasdas Eins ist. Gibt cs nun aber ein Eins an sich und einSeiendes an sich, so muß eben ihr Wesen darin bestehen, daß siedas Eins und das Seiende sind, es ist dann nicht etwas Anderes,dem'* *) sie als Prädikate beigelegt würden, sondern sie sind eben dießund nichts Anderes. Allein, gibt es nun ein Eins an sich und einSeiendes an sich, so macht die Frage große Schwierigkeit: wie nochei» anderes neben dem Eins und dem Seienden sein soll, d. h. wie

>) Nach der Lesart (combinirt aus den Conjecturen von Bonitz und Schweg-ler) cöx ov<r«r- -c«e ro ovre.

ore Trork ro k',/ e<rre.

'si Daß inan also nur Eiuzelndingc hat, keine allgemeinen Begriffe.

*) rxaA on nach Bonitz statt xcrAogov,