„Draus entstand denn alles, war war, was ist und wa» sein wird,
Bäume sproßten hervor und Männer und Weibergestalten,
Thiere und Vögel zugleich und Fische, uom Wasser genähret,
Und die Götter zuletzt, die langen Lebens sich freuen.
Dieß ist aber auch ohnedieß klar: denn wenn nicht der Streit inden Dingen wäre, so wäre, wie er sich ausdrückt, alles eins; denn so-bald die Dinge zusammengetreten sind '), „stand außen der Streit andem Rande."
Davon ist nun aber freilich die leidige Folge bei Empedokles,daß der seligste Gott?) weniger weiß als die andern, sofern er nichtalle Elemente kennt; er hat ja den Streit nicht in sich, gleiches aberwird nur durch gleiches erkannt. Denn, sagt Empedokles:
„Denn wir sehen die Erde durch Erde und Wasser durch Wasser,
Göttliche Lust durch Luft, durch Feuer zerstörendes Feuer,
Traurigen Streit durch Streit und Liebe sehn wir durch Liebe."
Doch — wovon wir ausgegangen sind — offenbar wird dem Empe-dokles unter der Hand der Streit ebenso sehr zur Ursache des Seinsals des Vergehens. Und nmgekehrt ist die Freundschast nicht blos Ur-sache des Seins; denn indem sie die einen Dinge vereinigt, vernichtetsie die andern. Und zugleich weiß Empedokles für die Veränderungselbst keinen Grund anzugeben, sondern er sagt eben, daß es so ist:
„Aber als nun der Streit in den wachsenden Gliedern erstarkt war,
Kam er zu Ehren und Macht, da die Zeit sich mälig erfüllte,
Die ablösend verstrich in Folge gewaltigen EidschwurS
Dabei ist die Voraussetzung, daß eine Veränderung nothwendigsei, einen Grund aber für diese Nothwendigkeit weiß er nicht anzu-geben. Allein er bleibt doch wenigstens bei diesen Sätzen in Ueber-
u Wen» die Welt wieder in die ursprüngliche Einheit zurückkehrt, muß derStreit draußen bleiben.
2) Der Sphairos.
S. I. t. 885 a.
"i Nach der Lesart o^xov. S. Zeller griech. Phil. I.
K3S Anm. I. Die Zeit ist vorbei, in der Alles eins war, jetzt kommt — zurAblösung der Einheit — nach ewiger göttlicher Ordnung der Streit und damitdie Trennung, Veränderung an die Reihe.