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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
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zu erlernen! Es ist klar, daß nian dazu vorher eigentlich gar nichtswissen dürste. Denn wie einer, der Geometrie erlernen will, zwarsonstige Vorkenntnisse haben muß, von dem aber, was zu dieser spe-cielleu Wissenschaft gehört und was er eben erlernen will, nichts zumvoraus weiß, so ist es auch bei allem andern'). Wenn es daher eineWissenschaft von allem gibt, wie manche behaupten, so wären garkeine Vorkenntnisse möglich. Und doch gehört zu allem Lernen, daßman etwas zum voraus weiß, entweder alles oder einiges, sowohlzum Lernen durch Beweis, als zu dem durch Definition; denn manmuß eben zum voraus das wissen und eine Kenntniß von dem haben,aus was die Definition besteht. Und ebenso ist es beim Lernen durchJnduction. Und selbst wenn diese Wissenschaft uns allensalls ange-boren ist, so muß man es doch ausfallend finden, daß wir die höchsteWissenschaft besitzen sollen, ohne etwas davon zu wissen. Sodannwie soll man erkennen, aus was die Principien bestehen und wie solldieß gezeigt werden? Denn auch dieß hat Schwierigkeiten; man könnteja doch darüber streiten, wie man über manche Silben streitet. Z. B.die Silbe 2 s. soll nach einigen bestehen aus den Buchstaben ä, s unds, nach andern ist es ein anderer Laut und keiner von den bekannten.Und wie wäre es möglich, dasjenige, wozu sinnliche Wahrnehmunggehört, zu erkennen, ohne diese sinnliche Wahrnehmung? Und dochwäre dieß die Consequenz 2), wenn doch allem dieselben Elemente zuGrund liegen sollen, wie die zusammengesetzten Baute aus den be-kannten Buchstaben bestehen.

') Der Schluß ist: Um eine einzelne Wissenschaft zu erlernen, bars man ausdieser Wissenschaft selbst vorher nichts wissen. Nun aber umfaßt die Wissenschaftdes Alls eben alles, also darf man alles nicht wissen, d. h. gar nichts. Aber dochfind zum Erlernen einer jeden Wissenschaft gewisse Vorkenntnisse nöthig. Für dieWissenschaft des Alls aber darf und kann man nichts vorher wissen. Folglich kanndie Wissenschaft des Alls auch nicht erlernt werden.

2) Nemlich die Platoniker müßten eigentlich, weil sie die Idee als Princip füralles setzen, alles, auch das Sinnliche, nur durch die Idee, also ohne sinnlicheWahrnehmung erkennen.