Man könnte nun geneigt sein, den partikulären Beweis für denvorzüglicheren zu halten, wenn man die Sache folgendermaßen betrach-tet: Wir nehmen an, daß derjenige Beweis der vorzüglichere ist, aufGrund von welchem mir etwas besser wissen, dieß ist ja eben die Be-deutung des Beweises. Besser aber wissen wir etwas, wenn wir esselber an sich wissen, nicht wenn wir es wissen in Beziehung auf einAnderes, z. B. wir haben ein besseres Wissen von dem gebildetenKoriskos, wenn wir wissen, daß Koriskos gebildet ist, als wenn wirwissen, daß der Mensch gebildet ist, und so in allen ähnlichen Fällen;der allgemeine Beweis aber beweist, daß ein Anderes, nicht daß dasBetreffende selber so und so ist, z. B. er beweist etwas vom gleich-schenkligen Dreieck nicht, sofern es gleichschenklig, sondern sofern es einDreieck ist, während der partikuläre Beweis beweist, daß etwas selberso und so ist; ist nun der Beweis vorzüglicher, welcher von der Sacheselber ausgeht, und thnt dies; der partikuläre Beweis mehr als derallgemeine, so ergibt sich daraus, daß der partikuläre Beweis der vor-züglichere ist. Ferner: wenn das Allgemeine nicht etwas neben denEinzelndingen Existirendes ist, der allgemeine Beweis aber die Mei-nung erregt, das, worauf er sich bezieht, sei etwas besonders Existiren-des und es gebe ein solches Wesen unter dem Seienden — wie z. B.es gebe ein allgemeines Dreieck neben den bestimmten Dreiecken, eineallgemeine Figur neben den einzelnen Figuren, eine allgemeine Zahlneben den bestimmten Zahlen, — und wenn ferner der vom Seiendenhandelnde Beweis vorzüglicher ist, als der vom Nichtseienden handelndeund der Beweis, welcher keine Täuschung erregt, vorzüglicher, als der,welcher eine Täuschung erregt, und wenn nun der allgemeine Beweisvon der Art ist, daß er eine Täuschung erregt (denn man beweist da-bei, indem man zu weit geht, ähnlich wie beim Analogen, wo man sobeweist, daß, was von der und der Beschaffenheit ist, nach der Analo-gie ist, was doch weder Linie ist, noch Zahl, noch Länge, noch Fläche,sondern etwas außer und neben diesen Existirendes), wenn also derallgemeine Beweis mehr von der zuletzt beschriebenen Art ist und weni-ger auf das Seiende sich bezieht als der partikuläre Beweis und einetrügerische Meinung hervorbringt, so ergibt sich aus dem allem, daßder allgemeine Beweis weniger vorzüglich ist als der partikuläre.
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