Es sind übrigens auch die andern Einwürfe in Betrachtung zuziehen, nemlich die vom Entgegengesetzten, vom Aehnlichen, von demaus Meinung Beruhenden genommenen; ferner ist zu untersuchen, obman den partikulären Einwurf aus der ersten, den verneinenden ausder zweiten Figur nehmen kann.
SiebelimidzwanzigsteS Kapitel.
Vom Enthymem.
Wahrscheinliches und Merkmal sind nicht eins und dasselbe, son-dern das Wahrscheinliche ist ein einleuchtender Vordersatz; von wasman nemlich weiß, daß es gewöhnlich so und so geschieht oder nichtgeschieht, so und so ist oder nicht ist, das ist wahrscheinlich, z. B. daßdie Mißgünstigen hassen oder daß die Geliebten lieben. Merkmal aberbedeutet einen beweisenden Vordersatz, welcher nothwendig oder ein-leuchtend ist; dasjenige nemlich, bei dessen Sein oder Gewordensein dieSache früher oder später geworden ist, ist ein Merkmal des Geworden-seins oder Seins. Enthymem nun ist ein Schluß aus Wahrschein-lichem oder aus Merkmalen, Merkmal wird aber in dreifachem Sinngefaßt, nemlich ebenso vielfach als der Mittelbegriff in den Figuren:nemlich entweder so wie in der ersten oder so wie in der zweiten oderso wie in der dritten. Z. B. der Beweis, daß eine Frau schwangerist, daraus, daß sie Milch hat, gehört in die erste Figur, Mittelbegriffist nemlich das Milch-Haben. ^ — schwanger sein, 8 — Milch haben,0 — Frau '). Der Beweis, daß die Weisen gut sind, weil Pittakusein Weiser ist, gehört in die dritte Figur, — gut, 8 — weise,6 — Pittakus 2). Es ist ganz richtig, sowohl ^ als 8 von 6 aus-zusagen, aber das eine sagt man nicht, weil man es weiß, das andere
1) Jede Frau, welche Milch hat, L, ist schwanger L,Diese Frau 6 hat Milch,
Diese Frau ist schwanger.
2) PittakuZ 6 ist gut L,
Pittakus ist weise L,
Der Weise ist gut.