ebendasselbe und weiß es auch nichl. Denn wissen, daß jedes Dreieckzwei rechte Winkel hat, ist nicht einfach zu verstehen, sondernbedeutet einmal, daß man das Wissen im Allgemeinen hat, und zwei-tens das Wissen im Einzelnen. Also im Allgemeinen weiß man imgenannten Fall, daß 0 zwei rechte Winkel hat, im Einzelnen aberweiß man es nicht, man wird also nicht entgegengesetzte Meinungenhaben. Ebenso verhält cs sich auch mit der Behauptung im Menon,daß das Lernen eine Wiedererinnernng sei. Niemals nemlich geschiehtes, daß man das Einzelne zum Voraus weiß, sondern zugleich mitdem Eingehen auf's Einzelne erhält man das Wissen desselben, wasnur anssieht, als erkennte man es wieder. Einiges nemlich wissenwir sofort, wie z. B. daß man zwei rechte Winkel hat, wenn manweiß, daß man ein Dreieck hat n. s. f.
Durch das allgemeine Wissen nun erkennen wir das besondere,nicht aber wissen wir es durch das besondere Wissen, so daß es auchmöglich ist, sich in Beziehung auf dasselbe zu täuschen, nur nicht so,daß man Entgegengesetztes unmittelbar verbindet, sondern so, daß manzwar das allgemeine Wissen hat, aber im besonderen Wissen sich täuscht.Ebenso ist es nun auch bei dem oben Genannten; denn die Täuschungin Beziehung ans den Mittelbegriff ist nicht entgegengesetzt dem ansden Schluß sich beziehenden Wissen, ebenso wenig die auf jeden derMittelbegriffe sich beziehende Annahme. Wohl aber kann man wissen,daß ^ dem ganzen 6 zukommt und wieder L dem 0, und doch mei-neu, komme dem 0 nicht zu; z. B. man kann wissen, daß jederMaulesel unfruchtbar ist und daß dieses Thier ein Maulesel ist unddabei meinen, dieses Thier sei trächtig; man weiß nemlich dann nicht,daß dem 0 zukommt, wenn man nicht beides zusammen betrachtet.Es ist also klar, daß eine Täuschung stattsindet, wenn man das eineweiß, das andere nicht weiß, wie eben das Verhältniß ist, in welchemdas allgemeine Wissen zum besonderen steht. Nemlich nichts von demsinnlich Wahrnehmbaren wissen wir, wenn es außerhalb der Wahr-nehmung ist, auch nicht wenn wir es schon wahrgenommen haben,außer indem wir das allgenieine und das besondere Wissen haben,nicht aber durch aktuelles Wissen. Wissen nemlich ist in dreifachemSinn zu verstehen: es bedeutet das allgemeine, das besondere und dasaktuelle Wissen, und so hat auch die Täuschung eine dreifache Beden-Aristoteles, Organon. 17