Sicbeirzchntes Kapitel.
Ueberficht des nun Folgenden. — Zwei problematische Vordersätzein der zweiten Figur.
Was nun die zweite Figur betrifft, so gilt Folgendes: wennbeide Vordersätze ein denkbares Sein enthalten, so gibt es keinenSchluß, mögen dieselben bejahend oder verneinend gesetzt sein, allge-mein oder partikulär; wenn aber der eine Satz ein einfaches Sein,der andre ein denkbares Sein enthält, und dabei der bejahende Satzein einfaches Sein enthält, dann gibt es nie einen Schluß, wenn aberder verneinende allgemeine Satz ein einfaches Sein enthält, dann gibtes immer einen Schluß. Ebenso auch, wenn der eine Vordersatz einnothwendiges, der andre ein denkbares Sein enthält. Man muß aberauch das „Denkbarsein" in den Schlußsätzen so fassen wie bisher.
Zuerst ist nun zu zeigen, daß die Verneinung in dein das denk-bare Sein enthaltenden Satz sich nicht umkehren läßt. Z. B. wenn esdenkbar ist, daß keinem 8 zukommt, so ist es nicht nothwendigdenkbar, daß auch 8 keinem L. zukomme. Denn es soll dieß angenom-men sein und 8 soll denkbarer Weise keinem L. zukommen. Da nunbei denkbarem Sein die Beziehungen mit den Verneinungen sich ver-tauschen lassen, sowohl die entgegengesetzten als die gegenüberstehenden,6 aber denkbarer Weise keinem zukommt, so ist klar, daß denkbarerWeise 8 auch dem ganzen zukommen kann. Dieß aber ist falsch;denn wenn es denkbar ist, daß dieses jenem ganz zukommt, so mußdeßwegen nicht auch jenes diesem zukommen, also die Verneinung läßtsich nicht umkehren. Ferner ist es ganz wohl denkbar, daß ^ keinem8 zukommt, während 8 einigem nothwendig nicht zukommt, z. B.vom Weißen ist es denkbar, daß es jedem Menschen nicht zukommt(es kann ihm ja auch zukommen), nicht aber ist es richtig zu sagen, daß„Mensch" denkbarer Weise keinem Weißen zukomme; denn vielenWeißen kommt der Begriff „Mensch" nothwendig nicht zu, das Noth-wendige aber haben wir von dem Denkbaren wohl zu unterscheiden.Auch läßt sich die Umkehrung nicht aus dem Unmöglichen beweisen,wie wenn man etwa nnnehme» wollte, — da es falsch ist, daß 8