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Elftes Kapitel-
Einheit des Satzes. Einheit und Trennung der Prädikate.
Wird von Vielen Eines oder von Einem Vieles in bejahenderoder verneinender Weise ausgesagt, so ist die Bejahung und Vernei-nung nur in dem Fall Eine, wenn das, was durch das Viele bezeich-net wird, Eines ist. Unter Eins, Einheit verstehe ich nicht den Fall,wenn Ein Nomen (Subjekt) gebraucht wird, aber aus dem ihm Bei-gelegten keine Einheit sich ergibt; z. B. der Mensch mag etwa bezeich-net werden als Thier, als zweifüßig, als zahm, allein aus diesen ver-schiedenen Prädikaten wird eine Einheit gebildet; wenn ich aber sage:weiß, Mensch, gehen, so gibt es keine Einheit ^). Also wenn man vondiesen verschiedenen Begriffen Eins bejahend aussagt, so gibt dich dochnicht Eine Bejahung, vielmehr es sind viele Bejahungen, obgleich nurEin Ausdruck vorhanden ist, und ebensowenig ist es eine Bejahung,wenn jene Begriffe von Einem ausgesagt werden, auch in diesem Fallist es eine Mehrheit von Bejahungen. Wenn nun die dialektische FrageForderung einer Antwort ist, und zwar entweder der Antwort auf denersten Satz der Frage oder auf das eine oder andre Glied des Wider-spruchs, der erste Satz aber Glied Eines Widerspruchs ist, so kann eshierauf nicht wohl Eine Antwort geben; denn auch die Frage ist janicht Eine, auch nicht wenn sie wahr ist. Doch hierüber haben wirschon in der Logik gesprochen. Zugleich ist aber klar, daß die Fragenach dem Was, dem Begriff eines Dings keine dialektische Frage ist,denn bei der letzteren muß die Möglichkeit gegeben sein, aus der Fragesich auszuwählen, welches Glied des Widerspruchs man behaupten will,es muß also der Fragende auch noch die weitere Bestimmung hinzu-fügen: ob das und das ein Mensch ist oder ob nicht?
Dasjenige, was für sich besonders ausgesagt wird, ist entweder
D. h. es läßt sich hieraus nicht ein einheitliches Prädikat bilden, welchesEinem Subjekt beigelegt werden könnte.
2) Eine solche Frage, deren Antwort die Wahl hat zwischen widersprechendenBehauptungen, welche ein Entweder — Oder «orauSsetzt. Z. B.: ist der Menschsterblich soder nicht)? Antwort entweder: er ist sterblich oder: er ist nicht sterblich.Aristoteles, Organon. L