5,8 -
Bejahung oder die Verneinung wahr sein oder falsch. Dann aber istes natürlich, daß nichts weder ist noch geschieht durch Zufall oder inbeliebiger Weise, und nichts wird durch Zufall sein oder nicht sein,sondern alles ist dann in nothwendiger Weise und nicht beliebig. Dennentweder sagt ja der Bejahende die Wahrheit oder der Verneinende.Sonst könnte es ebenso gut geschehen, als nicht gcschehen; denn dasBeliebige ist von der Art, daß es ebenso gut so als so ist oder seinwird. Ferner wenn etwas jetzt weist ist, so war es vorher wahr zusagen, es werde weiß sein, und also war es immer wahr zu sagen,daß etwas von dem Werdenden so oder so sein werde. Wenn es aberimmer wahr war zu sagen, es sei oder werde sein, so war es nichtmöglich, daß es nicht so sei oder nicht so sein werde. Wenn es abernicht möglich ist, daß etwas nicht werde, so war es unmöglich, daß esnicht werde, ein solches aber müßte nolhwendig werden. Und darausfolgt, daß alles Zukünftige nothwendig werden muß. Dann könntenatürlich nichts in beliebiger Weise noch durch Zufall sein; denn waszufällig ist, ist nicht nothwendig. Und überdies kann man auch nichtsagen, es sei keines von beiden wahr, wie z. B. es werde etwas wedersein noch nicht sein. Denn erstlich wäre, bei Falschheit der Bejahung,die Verneinung nicht wahr und bei Falschheit der Verneinung wäredie Bejahung nicht wahr ^); und zudem: wenn es wahr ist zu sagen,daß etwas weiß und groß sei, so muß beides der Fall sein und wennes morgen so sein soll, so muß es morgen so sein. Wenn es nun abermorgen weder sein noch nicht sein wird, so wäre es nicht das Beliebige,wie z. B. eine Seeschlacht; denn es müßte dann eine Seeschlacht wedersein noch nicht sein.
Solche und ähnliche widersinnige Conseqnenzen würden sich dar-aus ergeben, wenn wirklich bei jeder Gegenüberstellung von Bejahungund Verneinung, entweder bei allgemeinen Aussagen über Allgemeinesoder bei Aussagen über einzelnes, nothwendig das eine oder andereder einander gegenüberstehenden Glieder wahr oder saljch sein müßte.Die Folge wäre, daß es nichts Zufälliges mehr gäbe in allem, wasgeschieht, sondern alles müßte nothwendig sein und geschehen. Danndürfte man aber nicht mehr sich bernthen oder sich mit etwas Mühe
i) Es müßte aber eines oder das andere wahr sein.