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5 (1891) Schrift über die Seele, Organon
Entstehung
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allem Andern, was Substanz ist. Woraus sich also ergibt, daß dieSubstanz nicht wohl ein Mehr oder Weniger annehmen kann.

Eine ganz besondere Eigenthümlichkeit d e Substanz scheint daszu sein, daß sie, obwohl sie eins und dasselbe und der Zahl nach Einsist, doch fähig ist, das Entgegengesetzte in sich aufzunehmen. Bei allemAndern, was nicht Substanz ist, kann man nicht wohl etwas derartnamhaft machen, was, während es der Zahl nach Eins ist, doch fähigwäre, das Entgegengesetzte in sich nufzunehmen; z. B. die Farbe,welche eins und dasselbe der Zahl nach ist, kann nicht weiß und schwarzsein und ebenso wenig kann eben dieselbe, der Zahl nach Eine Hand-lung schlecht u n d gut sein und ebenso ist es bei allem Andern, wasnicht Substanz ist. Dagegen die Substanz ist, während sie der Zahlnach eins und dasselbe ist, fähig, das Entgegengesetzte aufznnehmen,z. B. der und der bestimmte Mensch kann, während er Einer und der-selbe ist, bald weiß bald schwarz sein, bald warm bald kalt, bald schlechtbald gut. Bei allem Andern ist offenbar nichts dergleichen der Fall,man müßte denn nur entgegenhalten, die Behauptung und die Mei-nung seien fähig, dergleichen in sich aufzunehmen. Denn eben dieselbeBehauptung scheint wahr und falsch zu sein, z. B. wenn die Behaup-tung richtig ist, daß Einer sitze, so wird eben diese Behauptung falschsein, sobald derselbe aussteht. Ebenso ist es auch bei der Meinung:wenn Einer ganz richtig meint, der und der sitze, so wird seine Mei-nung falsch sein, sobald derselbe aussteht, sosern er dieselbe Meinungüber denselben fesihält. Allein wenn man auch dies; zugeben wollte, soliegt doch ein Unterschied in der Art. Denn was die Substanzen betrifft,so sind diese fähig, das Entgegengesetzte aufzunehmen, indem das Aus-nehmende selbst sich verändert; wenn etwas derart kalt wird aus warm,so verändert es sich, es ist ja ein Anderes geworden, und ebenso istcs, wenn etwas schwarz wird aus weiß und gut aus schlecht. Undebenso ist es auch bei dem Andern: ein jedes ist fähig, das Entgegen-gesetzte aufzunehmen, indem es selbst eine Veränderung in sich auf-nimmt. Dagegen die Behauptung und dis Meinung sind an sich un-beweglich und beharren durchaus und schlechterdings; das Entgegen-gesetzte entsteht in ihnen nur dadurch, daß die Sache sich bewegt; dieBehauptung nemlich, daß Einer sitze, bleibt dieselbe, sie ist aber daseinemal wahr, das anderemal falsch dadurch, daß die Sache sich bewegt.