127
Dreizehntes Kapitel.
Nun ist leicht einzusehen, daß der Körper des Thiers un-möglich einfach ') sein kann; also z. B. kann er nicht lediglichaus Feuer oder Luft bestehen. Ohne den Tastsinn nemlich ist esnicht möglich, einen andern Sinn zu haben, denn der beseelteKörper ist stets fähig zu tasten, wie oben gesagt worden ist. Dieandern Elemente, außer der Erde, können zwar wohl auch Sin-nesorgane sein, aber alle bringen die Wahrnehmung dadurch her-vor, daß sie durch ein Anderes, durch die Medien wahrnehmen.Der Tastsinn dagegen hat seine Funktion darin, daß er dieDinge selbst betastet, woher auch sein Name.
Freilich nehmen auch die übrigen Sinnesorgane wahr durchdie Berührung, aber vermittelst eines Andern. Der Tastsinnallein wirkt rein durch sich selbst. Also von derartigen Ele-menten kann nicht wohl eines den Körper des Thiers bilden.Er ist aber offenbar auch nicht bloß aus Erde. Denn der Tast-sinn ist das Mittel für alles Tastbare und sein Sinnesorgan istfähig, nicht bloß die einzelnen Merkmale der Erde aufzufassen,sondern auch das Warme, Kalte und überhaupt Alles, was tastbarist. Dieß ist auch der Grund, weßhalb wir vermittelst derKnochen, Haare und ähnlicher Glieder nicht wahrnehmcn, weil sienemlich dem Element der Erde angehören ^). Aus dem gleichenGrund haben auch die Pflanzen keine Sinneswahrnehmung, weilsie der Erde angehören, ohne Tastsinn ist keine Wahrnehmungdenkbar, das Organ des Tastsinns aber besteht rein weder ausErde noch irgend einem andern Element. Somit ist der Tastsinnder einzige Sinn, dessen Verlust den Thieren den Tod bringenmuß; denn sowenig den Tastsinn ein Wesen haben kann, welchesnicht Thier ist, sowenig ist es möglich, daß ein Thier einen an-dern Sinn habe und nicht auch den Tastsinn. Dieß ist auch derGrund, daß die übrigen Gegenstände der Wahrnehmung, wie
*) D. h. nur aus Einem Element bestehend.
Von denjenigen, welche de» in die Ferne sungirenden Linnen entsprechen.Zur Wahrnehmung sind aber auch die andern Elemente ersorderlich.