Zweites Buch.
Erstes Kapitel.
Allgemeine Definition der Seele.
Soviel von den älteren Theorieen über die Seele; nun wol-len wir wieder zurückgehen und so zu sogen von vorne anfangen,indem wir zu definiren versuchen, was die Seele ist und wasman wohl als den allgemeinsten Begriff derselben aufstellen kann.
Wir nennen eine bestimmte Gattung des Seienden die Sub-stanz *) und zwar denken wir uns von der Substanz das eine
i) Substanz, ovcke«/ darunter versteht Arist. dasjenige, was weder voneinem Andern als dem Substrat, Subject ausgesagt wird, noch in einem Andernals seinem Substrat ist (Lat. 6. 5), oder (List. V. 8> was nicht von einemSubject ausgesagt wird, d. h. nicht Prädikat ist, sondern von welchem das Andereausgesagt wird, d. h. welches immer Subject ist. Die Seele ist das Seiende imeigentlichsten Sinn, das Seiende schlechthin, das Substrat, von welchem alles andereSeiende getragen wird. Eine solche Substanz ist nach Arist. nur das Einzelnwesen,denn das Allgemeine hat sein Dasein nur im Einzelnen. Das Einzelnwesen alleinist das, was es ist, durch sich selbst, nicht als einem Andern anhastend. Imweiteren Sinn nennt Arist. Substanz allerdings auch die Gattung, alsovckt'ae, (Lat. L. 5, 2) denen gegenüber dann die Individuen die
sind, aber streng genommen kommt der Gattung oder Art der BegriffSubstanz nur in abgeleiteter Weise zu, sofern die Gattung oder Art die Zusam-mensassung der wesentlichen Eigenschaften einer bestimmten Klasse von Substanzen,Einzelnwesen ist. Das eigentlich für sich Seiende, die Substanz im eigentlichenSinn, ist nur daß Einzelnwesen <s. Zeller II. 2, S. 227 fs. Trendelenburg Comm.S. S2S fs.). Jede Substanz aber entwickelt sich so, daß an ihr zunächst Formund Materie zu unterscheiden sind. Alle Möglichkeit des Werdens beruht bei Arist,aus dieser Unterscheidung. Alles Werden ist ein Uebergang von der Möglichkeit,