Einleitung. Erstes Kapitel.
15
artiger See- und Handelsverkehr war, nach ihrer Ansicht, derSittlichkeit nachteilig und der Festigkeit und Dauer der Republikungünstig. War deshalb ein Landgebiet, wie bei manchen kleinenJnselrepubliken, zu klein, als daß es das Auskömmliche hättegewähren können, so ward der Staat bespöttelt; trieb er überdas Auskömmliche hinaus nicht bloß Handel für sich, sondern,wie Aristoteles sagt, für andere, d. h. machte er sich zu einembedeutenden Speditionsort, so verdiente er verachtet zu werden.In dem attischen Staate brachte freilich der Handel die prächtige,üppige, mit Magazinen, Schiffswerften, Warenhallen, Theaternund Tempeln geschmückte Hafenstadt des Pirä'eus hervor. AberAthen ist auch in vieler Beziehung eine Ausnahmestadt, eineStadt, die fast allen anderen griechischen Städten weit voraus-geeilt ist, so schnell vorausgeeilt ist, daß in dieser Eile selbst einGrund ihres baldigen Dahinwelkens gesucht werden muß; unddann war die Piräeusstadt, wie Korinth und Nau'kratis wegenihrer Unsittlichkeit, und zwar nicht bloß bei den Philosophenund Politikern, auch so übel berüchtigt, daß eine Zeit lang ein-mal eine schwere Strafe darauf stand, wenn ein athenischerBürger der Altstadt die Nacht in der Hafenstadt zubrächte.Selbst der freie und tolerante Aristoteles gestattet zwar die An-legung solcher Hafenstädte, aber zugleich will er auch, daß dergesellige Verkehr der Bewohner von beiden einer gewissen Be-schränkung und Überwachung, ganz im Sinne der antiken Staats-idee, unterworfen werde? Dagegen ist den alten Politikern derAckerbau, und er hauptsächlich, die Grundlage des Staats. Der
Ackerbau ist das wesentlich konservative Element für die Ver-fassung und für die Sitte. Diese Überzeugung hatte sich nament-lich in A'ttika des Standes, welcher den Grund und Boden be-saß, mit so großer Stärke bemächtigt, daß ohne den Zutritt desdemokratischen Elements der Schiffahrt und des Handels Athenein unberühmter Staat von Grundbesitzern und Junkern geblieben