Druckschrift 
7 (1893) Vier Bücher über die Teile der Tiere, Naturgeschichte der Tiere
Entstehung
Seite
172
Einzelbild herunterladen
 

172

Fischen; darum schwimmen sie nicht mehr, wenn bei den einen dieFlossen, bei den andern dagegen die Verbindungshaut der Zehen wcg-genommen ist. Einige Vögel haben aber lange Beine. Die Ursachedavon ist die, das« sie in Sümpfen leben; die Natur schafft aber dieOrgane für die Function, nicht die Function für die Organe. Da sienun keine Schwimmer sind, so haben sie auch keine Schwimmfüße,und weil sic ans nachgiebigem Boden leben, so haben sie lange Beineund lange Zehen und die meisten von ihnen an den Zehen viele Ge-lenke 0). Da sic jedoch keine guten Flieger sind, alles aber aus dem-selben Stoffe besteht, so hat der für den Fcdcrschwanz bestimmte, zuden Beinen verwendete Nahrungsstoff diese verlängert. Darum be-dienen sich dieselben im Fluge dieser statt des Federschwanzes; siefliegen nämlich, dieselben nach hinten streckend; so sind ihnen nämlichdie Beine dienlich, sonst würden sie aber wohl hinderlich sein. DieKurzbeinigen fliegen dagegen mit gegen den Bauch gezogenen Beinen;einigen von ihnen sind nämlich so die Beine nicht hinderlich, denmit gebogenen Krallen versehenen sind sic aber sogar zum Raubenöthig. Von den mit einem langen Halse versehenen Vögeln fliegeneinige, welche einen breiteren haben, mit vorgestrccktem Halse '"),andre, die einen dünnen und langen haben, mit zusammcugcboge-ncm "). Wenn sic nämlich auf etwas losstürzcn, so ist er wegender Bedeckung minder leicht verletzbar. Einen Oberschenkel habenaber alle Vögel, doch so, daß sie ihn wohl nicht, sondern wegen derLänge des Oberschenkels zwei Lenden zu haben scheinen möchten; ererstreckt sich nämlich bis zur Mitte des Bauches ^). Die Ursachedavon ist die, daß dieses Thier zweibeinig, aber nicht aufrecht ist;wenn cs sich nämlich so wie beim Menschen oder den Vierfüßlern ver-

2) Die Zahl der Zehengelenke ist bei den langbeinigen Vögeln nicht geradegrößer, als sonst. Im Allgemeinen hat der Damnen der Vögel zwei Glieder,die folgende Zehe drei, die dritte vier, die änßerste fünf.

IO) Z. B. der Storch.

>>) Z. B. der Reiher.

12) Bei seiner verkehrte» Auffassung des Baues der Thierextrcmitätcn (vgl.Am», z zu diesem Kap.) steht Arist. bei den Vögeln den eigentlichen Oberschenkel(keniur) sammt dem Unterschenkel (crus) für einen aus zwei Stücken gebildetenOberschenkel, den Lauf (tareu») dagegen für den Unterschenkel an.