Druckschrift 
7 (1893) Vier Bücher über die Teile der Tiere, Naturgeschichte der Tiere
Entstehung
Seite
154
Einzelbild herunterladen
 

154

andere aber fußlos sind, und ans welcher Ursache einige Pflanzen,andere Thicre wurden, das wäre erörtert worden, sowie warum derMensch unter den Thiercn allein aufrecht geht; weil er aber von Naturausrecht geht, so ist kein Bcdürfniß nach Vorderbeinen vorhanden;statt dieser verlieh ihm die Natur vielmehr Arme und Hände. Nnaxa-goras sagt nun aber zwar, der Mensch sei durch das Bcsitzthum derHände das vernünftigste unter den Thieren; es ist aber selbstredend,daß er Hände erhielt, weil er das vernünftigste Wesen ist. Die Händesind nämlich ein Werkzeug, die Natur verleiht aber stets, wie ein ver-nünftiger Mensch, ein jedes Ding demjenigen, der cS benutzen kann,denn es ist zweckmäßiger, dem Flötenspieler Flöten zu geben, als dem,welcher Flöten besitzt, die Kunst des Flötenspiclcns bcibringen zuwollen. Dem Größer» und Wichtiger» hat sic nämlich das Geringere,nicht aber dem Geringer» das Edlere und Größere bcigefügt. Wennes nun so besser ist, die Natur aber von dem Möglichen das Bestewählt, so ist der Mensch nicht durch seine Hände das vernünftigste,sondern weil er das vernünftigste unter den lebenden Wesen ist, darumbesitzt er Hände. Denn je vernünftiger ein Wesen ist, um so mehrWerkzeuge dürfte es wohl auch vortrefflich verwenden; die Hand scheintaber nicht ein Werkzeug, sondern viele darznstellcn; denn sie istgleichsam ein Werkzeug statt vieler. Demjenigen Wesen nun, wel-ches die meisten Kunstfertigkeiten zu erlernen vermag, verlieh die Naturdie unter allen Werkzeugen am meisten brauchbare Hand. Diejenigenaber, welche sagen, der Mensch sei nicht zweckmäßig, vielmehr unterallen Thieren am schlechtesten gebildet (sie sagen nämlich, er sei barfußund nackt und besitze keine Waffe gegen die Gewalt), diese redenkeineswegs recht; denn die übrigen besitzen nur ein einziges Verthei-digungsmittcl und können kein anderes an dessen Stelle setzen, sondernwie sie beständig in Schuhen schlafen und alles thun, so können sieauch die Bedeckung um ihren Leib niemals ablegen, noch die Waffe,welche sie haben, vertauschen. Dem Menschen hingegen ist es ver-gönnt, viele Schutzmittel zu besitzen und dieselben beständig zu wech-seln und jede beliebige Waffe wo auch immer zu haben. Denn dieHand wird dann zur Klane, zum Huf, zum Horn, zum Spieß undSchwert und zu jeglicher andern Wehr und Waffe; sie wird nämlichdieß alles sein, weil sic alles ergreifen und halten kann. In dieser