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2 (1870) Revolution und Reaction im Spätjahre 1848
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Anmerkungen.

und verstanden das, nur das k. k. Landcs-Gnbcrnium, unter dessen unmittelbarer Aufsicht er die Zeitung redigirte, wußte und verstand davon nichts. — Bekannter ist, daßder unglückliche Becher, der damals in verschiedene Wiener Zeitschriften schrieb, einesTages einen im König Lndwig'schcn Styl gehaltenen Walhalla-Artikel brachte, der ganzWien lachen machte, während der Ccnsor die beißende Satyre gar nicht bemerkt hatte.Als Graf Sedlnicky, durch das Stadtgespräch aufmerksam gemacht, Becher vorforderteund zu Rede stellte, spielte dieser den Unschuldigen und betheuerte: „er habe geradegeglaubt, Sr. Majestät dem König von Bayern einen Beweis seiner Höchen Achtungzu geben, indem er dessen Schreibweise nachzuahmen versucht; wenn es ihm mißlungensei, so wolle das seinen schwächer» Kräften, nicht seiner gutgemeinten Absicht zur Lastgelegt werden."

214) S. 306. Kritische Streiflichter oc. S. 6. — Ein ausländischer Beobachter,aus dessen Schilderung der Octoberzeit die „Gränzboten" von 1848 Bd. IV. S. 392ff. Auszüge brachten, läßt sich über den allgemeinen Charakter der Wiener Bevölkerungin nachstehender Weise ans: „Von der Gedankenlosigkeit und dem Leichtsinn diesesVolkes kann sich niemand auch nur eine annähernde Vorstellung machen, der es nichtmit eigenen Augen ansah. Der Wiener ist, Dank seiner Erziehung, so denkfaul, daß erin Ermanglung eines Bessern dem ersten Schubjack die Sorge überläßt für ihn zudenken, und froh ist wenn er nur irgend eine Phrase hat seine Blöße zu decken; dazudie lebhafte schon mehr südliche Phantasie, mit der selbst die Gebildeteren alle Schwie-rigkeiten durch Combiuationen von Ledru-Rollin, Abd-el-Kader und Schamyl auf einewirklich haarsträubende Art zu planiren wußten, und Du hast eine schwache Vorstellungvon dem bunten phantastischen Unsinn, der in diesen Tagen znm Vorschein kam." —„Hack tks zwopls ok Vieuun Ilsen less ssrvilsi)- ckovils ok viel to tbs tutelar^ prs-enrckiems ot' n Government rvliieb bas been ölten startlsck nt sbackorvs, tbe)- evoulcknot liave lallen into tbs snnres ok a lsrv itlnsrant ilenmAoFnss, or stricke nnäsrtlis )-oles ul ir sanAninnr^ rnsurreetion." Ktilss Austria ln 1848. 49. II. S. 145 f.

215) S. 310. „Man muß es geradezu sagen, die Entwicklung gewisser Seiten derWiener Journalistik bleibt ein unauslöschlicher Schandfleck in der Geschichte deutschenLebens. Wir haben weder in alten noch in neuen Tagen ein Beispiel, daß irgendwoder naive Kinderglanbe eines Volkes, sein Vertrauen ans das gedruckte Wort zu soschändlicher Unzucht des Geistes mißbraucht worden wäre wie eben hier". Adolf PichlerAus den März- und Octobertagen zu Wien (Innsbruck, Wagner, 1850) S. 46.

216) S. 311. So brachte u. a. der „Wiener Punsch" („Humorist" Nr. 259 S.1062) eine „Blumensprache der Demokratinen", der wir folgende Selam-Sprüche ent-lehnen : „Aglei: Frech, schlampig, vcrbuhlt — aber frei! Nelke: Geschwind, ehe ichganz verwelke! Schneeglöckchen: Auf der Barrikade dort, im Unterröckchcn! Nachtschatten:Das freie Weib hat tausend Gatten." Siche noch über den Wiener Demokratineu-Verein „die Geißel" Nr. 72 S. 302. Auch in Krakau wollte sich nach Wiener undBerliner Muster ein demokratischer Frauenverein bilden, dessen erste Sitzung aber zu-gleich seine letzte war, wie uns jener Zeit (Decembcr 1848) ein humoristischer Freundmittheilte: „Die Frau Präsidentin beantragte die Dienstboten gut ;n erziehe» und ihneninsbesondere lesen und schreiben zu lernen, worauf jedoch ein Mitglied der Versammlungerwiederte: ihre Tochter könne auch nicht lesen und schreiben und habe noch dazu einKind ohne verheirathet zu sein. Diese Zwischenrede machte die Präsidentin so confus,daß sie sofort ihren Commandostab niederlegte".

217) S. 311. „Humorist" Nr. 261 v. 30. November S. 1069: „Der Verein

der demokratischen Franc» zu Berlin."