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117. 6. Enttäuschung — Ernüchterung — Entmuihtgung.
sich selbst und welche die Regierungs-Organe als „Gutgesinnte" zu be-zeichnen pflegten, während sic von den Spöttern der andern Seite, de»„Wühlern", unter dem Namen der „Heuler" znsammcngefaßt wurden.Jedenfalls war der letztere Titel richtiger gewählt als der crstere; denndas „heulen" war immer bei ihnen zu finden, eine eigentliche „Gesin-nung", und obendrein eine gute, nicht immer^°). Überhaupt war esim großen Durchschnitt weniger das Erwachen besseren Geistes, als dieBesorgniß vor der Wiederkehr schlimmer und gefährlicher Zeiten, dannaber auch das Bewußtsein unter dem Schutze der nengekräftigten gesetz-lichen Macht jener Besorgniß unverhohlenen Ausdruck geben und mitlauter Stimme die Beseitigung alles dessen was sic hervorgerufen undgenährt hatte verlangen zn können, was den Zuständen im Spätherbst1848 im Vergleich zu denen der vorangegangencn heißen Monate seineneigenthümlichen Stempel aufdrückte. So lang die Wogen der Bewegunghoch gingen, war es allein Furcht was die „Gutgesinnten" beherrschte.Sie flohen, wenn cs ihnen zu arg wurde, aus Prag nach Teplitz undaus Wien nach Baden um dort für's Vaterland — zu zittern. Siehofften auf die Wiederkehr besserer Zeiten und vertrösteten sich imschlimmsten Falle ans das Jahr 1860, das nach der Prophezeiung desBenedictiner-Mönchs Paola (si Ende 1847 zn Straßbnrg) das Endealler Wirren und Drangsal bringen sollte. Die eigentliche Zeit der Gut-gesinnten begann überall erst mit dem Belagerungszustände; da schossensie ans der Erde wie die Pilze, da machten sie sich bemerkbar in Adressenund Deputationen, ans denen cs hcrausklang wie in Eichendorff's„Dichter und ihre Gesellen" das Wort des alten Baron Eberstcin:„Die Zeit will nur Prügel haben, weiter ist's nichts." Daß die bessereBevölkerung von Städten, die Monate hindurch von Unruhe und Un-ordnung, von wüstein Lärm und Toben, von Semen voll Angst undSchrecken hcimgcsncht waren, unter dem Walten des Martial-Gesetzesleichter aufzuathmen begann, war ihr wohl eben so wenig zu verübelnals wenn einzelne Vorstadtbczirke Wiens sich ausdrücklich die Einqnar-tirnng von Truppen erbaten, um gegen die noch immer hin und wiederauftauchendcn Nachwchcn einer kaum gebändigten Gesetzlosigkeit gesichertzu sein. Allein etwas sonderbar war cs denn doch, wenn ein solcherimmerhin mit mancherlei Unannehmlichkeiten verbundene Zustand förmlichherbeigewünscht wurde, wie dicß in einer österreichischen Provinzial-Hauptstadt geschah in deren Gemeindeauöschnß sich verschiedene Stimmen,