286
II. 8. Neugestaltung des mitteleuropäischen Staatcu-Systems.
licek persönlich kannte, wird mehr als eines Vorfalles sich erinnern, woer aus seinen eigenen Erlebnissen von russischen Zuständen Schilderungenentwarf, die alles andere vcrriethen als die Sehnsucht mit ihnen neueBekanntschaft zu machen. Palackh aber, dem mit dem Eintritt derMärz-Ereignisse die Führerschaft des cechoslavischcn Stammes zugefallcnzu sein schien, hat seinem Gedanken über diesen Punkt von allem An-fang ganz unzweideutigen Ausdruck gegeben. In seiner Antwort an den Frank-furter Fünfziger-Ausschuß wies er darauf hin, „welche Macht der ganzegroße Osten unseres Welttheilcs inne hat" und wie „diese Macht, schonjetzt zu kolossaler Größe hcrangewachsen, von Innen heraus mit jedemJahrzchent in größerem Maße sich stärkt und hebt"; er läugnc nichtdas lebhafte Interesse, das ihm die Entwickelung dieser „vorzugs-weise slavischen" Macht einflößc; „da ich jedoch", fuhr er fort, „beialler heißen Liebe zu meinem Volke, die Interessen der Humanität undWissenschaft von jeher noch über die der Nationalität stelle, so findetschon die bloße Möglichkeit einer russischen Univcrsal-Monarchie keinenentschiedeneren Gegner und Bckämpfcr als mich; nicht weil sic russisch,sondern weil sie eine Univcrsal-Monarchie wäre" ^").
Das Bedenken gegen die Neugestaltung des Kaiscrstaatcs aufnational-föderalistischer Grundlage ging von deutscher Seite ans. Dennmüßte nicht, so meinte man, bei dem numerischen Übergewichte, das dienicht-deutsche Bevölkerung Österreichs nnläugbar hat, das deutsche Elementmehr und mehr verkürzt, ja zuletzt ganz erdrückt werden?! Allein diesesBedenken war nicht mehr begründet als die eben besprochene Befürchtung.Die deutsche Sprache ist und wird stets eine der mächtigsten Weltsprachenbleiben, die sich, je größer« Fortschritt die Wechselwirkung der Völkermacht, in immer weitere Kreise Eingang verschaffen muß. Der natür-liche Zug des deutschen Einflusses geht eben durch Österreich nach Osten.Die andern Nationalitäten werden es zwar nie dulden, ihre Donau einen„deutschen" Strom nennen zu hören; cs wird sich zwar kein „deutscher"Stüdtckranz um die Säume des schwarzen Meeres winden: allein durchden natürlichen Verkehr, auf Schienenwegen und Dampfern, wird dieKcnntniß deutschen Wissens und Wesens stets weiter in Gegenden getra-gen werden, wo bisher das Wälschthum fast ausschließliches Vcrständi-gnngsmittel gewesen. Und meinte etwa jemand, das Italienische sei, wases im Morgenlande gilt, durch dircctes Gebot, durch künstliche Veran-staltung, durch aufdringliches Wesen geworden? Im Gegentheile durch