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2 (1870) Revolution und Reaction im Spätjahre 1848
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Völkerkricg oder Völkcrfriedcn?

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Zeit kaum anders. Nicht leicht dürfte jemand den Historiker Chnicl, dernichts böhmisches an sich hatte als seinen Namen, für einen Föderalistengehalten haben; und doch war er cs, als er im I. 1845 schrieb:Dieösterreichischen Völker hält der gemeinschaftliche Vortheil zusammen; cs istjeder einzelnen der Nationen des großen österreichischen Staates in jegli-cher Beziehung vorthcilhaftcr, wenn sie friedlich und einig Zusammenleben,als wenn sic Rivalen sind und sich befehden". Und weiter:Es wirdin nicht langer Zeit vielleicht Bcdürfniß werden für jeden patriotischenÖsterreicher von Bildung, die Hanptsprachcn der Monarchie zu kennen,der er angehört; jedenfalls wird cs ihm nützlicher sein als viel andererliterarischer Ballast""'^). Oder sollen wir den edlen Bolzano anführcn,der schon im I. 1816 seine schönen Vorträgeüber das Vcrhältniß derbeiden Volksstämme in Böhmen" hielt und den Jüngern derselben diegegenseitige Berücksichtigung ihrer Gefühle und Bedürfnisse an'S Herzlegte?'^) Diese Mahnungen, sic hatten durch die Ereignisse des Jahres 1848nur hundertfältigen Nachdruck erhalten und nur eine Politik, die sich Rück-sichtnahme der Vielheit in der Einheit und Wahrung der Einheit in derVielheit zum Ziele setzte, schien fürderhin angczcigt zu sein. Bei Auf-rechthaltnng ihrer staatsrechtlichen Sonderheit hatte sich keines der öster-reichischen Länder, bei Anerkennung der nationalen Gleichberechtigungkeiner der Volksstämmc zu beschweren, die im Umfange der Monarchiewohnen. Und hatte nicht namentlich Ungarn seine Lehre daraus zu ziehen?Daö politische Ungarn, wenn es zugleich in nationaler Hinsicht innerseiner Gränzcn dem Grundsatz der Gleichberechtigung huldigte, hat imRahmen von Österreich alle Aussicht groß und gewaltig zu werden: einexclusiv nationales Magyarien kann, ob im Rahmen von Österreich oderaußerhalb desselben, nur früherer oder späterer Zerstücklung cntgcgenschcn.Allerdings waren augenblicklich jenseits der Leitha die Leidenschaften ineiner Weise angeregt, daß solch friedliche Anschauung unter dem magya-rischen Thcile der Bevölkerung nur wenig Anhänger und gar keine öffent-lichen Vcrthcidigcr finden konnte; allein der Kampf im Lande konnte nichtewig dauern, die Leidenschaften mußten zuletzt ermatten, eine Zeit beson-nener Überlegung mußte kommen.

Für den Augenblick war, wie gesagt, diese Zeit besonnener Überle-gung allerdings nicht vorhanden. Unter Umständen, wo die Anerkennungund gewissenhafte Wahrung gegenseitiger Rechte mehr wiese geboten war,wurde diese Anerkennung und Wahrung durch die zügellos waltenden

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