206 H- 7- Nationale Gleichberechtigung und staatsrechtliche Föderation.
liche Vorträge in dcr Eigenschaft eines snpplircndcn Professors. Behufsder Organisiruug des nationalen Schulwesens im Lande sollte ein eigenerLandcsschulrath in's Leben treten, und die Olmüzer Slovanskä Lipasäumte nicht, den Vice-Präsidcntcn Grafen Lazanskh auf Männer aufmerk-sam zu machen, die für die geistigen Bedürfnisse ihrer Stammesgcnosscndas erforderliche Verständnis und Wohlwollen mitbrächten; Kläccl, Zäk,Scmbcra, Hanns, Helcclct, Skorpik, Bily, Graf Sylva-Tarouca, BaronKönigsbrunn wurden genannt. Auch die höhere Töchtcrbildung blieb vomnationalen Standpunkte nicht unberücksichtigt. Im November 1848 war inPrag ein slavischcr Fraucuverein (spoloir Klovanslr) in der Bildung be-griffen, der sich regelmäßige Zusammenkünfte mit Lcctürc und Vorträgen,dann die Errichtung einer Töchterbildungsanstalt zum Ziele setzte'^).
Auch in Galizien regte es sich bei Zeiten. Für die Polen brachtedie Rada narodowa die Sache in Anregung; unter den Ruthcncn wares die studierende Jugend selbst, die in diesem Sinne drängte. EineAnzahl Lembergcr Akademiker, 4l Ruthcncn und 3 Deutsche, richteteeine Adresse an den ruthcuischen Haupt-Nationalrath und zugleich einenAufruf an ihre Studiengenosscn zur Pflege ihrer vernachlässigtenMuttersprache. Bei Eröffnung der Matica ruska hielt Ustyanovic überdenselben Gegenstand eine so eindringliche Rede, daß den Zuhörern, wieein gleichzeitiger Bericht lautete, „die Augen zuerst auf- und dann vorThräncn übergingen". „Es ist.wahr", sagte die „Zorja halycka", „unsereLiteratur ist verfallen, aber eben darum ist es auch die höchste Zeit,unsere Sprache in den Schulen einzuführcu". Von Seite dcr Behördengeschah wie in Böhmen und Mähren das möglichste, um den allseitigausgesprochenen Wünschen dcr Bevölkerung gerecht zu werden. BeiWiedereröffnung dcr Schulen Anfang December wurde ungeordnet, daßdas Polnische an allen Gymnasien, das Rnthcnischc an jenen dcr öst-lichen Kreise in die Reihe der Lchrgcgcnstände aufznnehmcn, und daßan den theologischen Lehranstalten von Lemberg und Przcmysl Pastoratund Katechetik für die Theologen ritus iutini polnisch, für die Griechisch-Katholischen ruthenisch vorzutragcn seien. Auch an den Gymnasien solltenneben dem eigentlichen Sprachstudium noch andere Fächer in dcr betref-fenden Muttersprache vorgetragen werden, und in Lemberg wurde sogleicheines der beiden Gymnasien, das bei den Dominicanern, für den pol-nischen Unterricht eingerichtet. Bezüglich des Ruthcnischcn ergab sich einedoppelte Schwierigkeit, erstens der Mangel an für den Vortrag in dieser