212
II. 4. Völkcrlneg in Ungarn und Siebcnlnirgcn.
Leute» Nase» und Ohren wcgschnciden, Anne und Beine abhancn;Schwängern den Bauch anfreißcn und die Leibesfrucht an Spieße stecken;Müttern den Säugling von der Brust reißen und vor ihren Augen er-stechen oder in's Feuer werfen; Männer bis zum Halse in die Erdeeingrabcn und dann mit Piken zu Tode martern oder langsamem Vcr-cndcn preißgcben — solche und noch viel andere Dinge waren es, diein jenem unglückseligen Brudcrkampfc täglich vorficlcn und denselben auGräuel und Schrecknissen zu dem ärgsten stempelten, wovon die neuereGeschichte unseres Welttheilcs zu erzählen weiß
In den maßgebenden Kreisen von Hermannstadt war man bis aufdiese Zeit entweder noch nicht auf dem Punkte angclangt das eigentlicheWesen des unnatürlichen Brndcrkampfcs zu erkennen, oder hatte, wennman es erkannt, noch nicht den Muth es sich zu gestehen und seineMaßregeln darnach zu ergreifen. Man faßte das gegenseitige Wüthcnder Walachen und Szeklcr nur vom Gesichtspunkte des Strafgesetzes ans,das gegen solch unziemliches Gebaren die Verkündigung des Standrcchtcsvorschricb; von der politischen Seite des Kampfes schien man nichts zuwissen oder nichts wissen zu wollen. Der Commandircnde F. M. L. Pnchncr,der schon ans dem Punkte stand mit der Pcster Regierung zu brechen,lag krank darnieder, und die oberste Militär-Behörde des Landes fertigtesich selbst überlassen ihre geschäftsmäßige Tagesarbcit ab, als ob sichnirgends um sie herum etwas geändert hätte. Während man selbst insächsischen Kreisen längst merkte wo die Sachen hinauswolltcn; währenddie Hermannstädtcr Stuhl-Versammlung cs offen aussprach, man habemagharischcrscits „den König von Ungarn in eine so feindselige Stellungzu dem ihm identischen Kaiser von Österreich zu bringen gewußt, daßeine Vereinigung beider Kronen ans einem und demselben Haupte kaummehr möglich" sei (29. September), fuhr das Hermannstädtcr General-kommando fort, ungarische Nationalgardcn und Honvcds durch k. k. Of-ficicre abrichtcn zu lassen, sie mit ärarischen Waffen zu betheilcn, denMäthäs-Hnsaren in dienstlichem Wege Remontcn bciznstellcn; und schonwar es daran, der Klansenburgcr Volkswehr selbst Kanonen hcranö-zngebcn, als zuletzt der steigende Übermnth der magyarischen Partei denkaiserlichen Militär-Behörden denn doch die Augen öffnete ""). Deneigentlichen Ausschlag gab — Pnchncr war bereits wieder genesen — dievon Bcrzcnczci in Scene gesetzte Volksversammlung von Agyagfalva,von welcher Alexander Sombori, Oberst von Szckler-Husaren, an die