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II. 4. Völkerkricg in Ungarn und Siebenbürgen.
das Vager angegriffen wurde, so besorgte ein Theil der Weiber dasMittagmal, andere löschten mit bereit gehaltenen nassen Kotzen in Brandgcrathcnc Hänser, fertigten Patronen an, pflegten die Verwundeten. DieKinder lauerten auf daher rollende Kanonenkugeln, die sic, kaum daßjene unschädlich geworden, in das Munitions-Magazin, die Kirche,trugen; andern Tags warf man sic dann dem Feinde wieder zurück,denn man hatte nichts im Überfluß. Den ganzen Tag stand injedem Hause das Mal ans dem Tische bereit; wer kam, aß davon undging dann in's Lager zurück, von den Segenswünschen der Hausbewohnerbegleitet. Währte der Kampf zu lang, dann konnte man mehr als eineHausfrau sehen, die den Kriegern Speise und Trank in die Fcncrliniezutrug '").
Im Monate August trat der erste höhere Officicr, Oberst Maycr-hofcr, österreichischer Consul in Belgrad, offen in die Reihen der Serbe»und unternahm im Einverständnisse mit dem „Patriarchen", ans demChaos eine Art Organisation zu bilden. Es war dicß um dieselbe Zeit,da Latour seine ersten geheimen Beziehungen zu Jelacic cröffnctc, die indem von beiden gemeinschaftlich vorbereiteten Zuge des Banns gegenPest, Mitte September, ihren Ansdruck fanden. Es soll nun keineswegsbehauptet werden, als ob das Interesse der kaiserlichen Regierung fürdie Serben und Kroaten erst mit diesem Augenblicke seinen Anfang ge-nommen hätte; dieses Interesse datirtc vielmehr schon von der Zeit desAuftretens Jelacic' in Innsbruck und der eben so glänzenden als ergrei-fenden Weise, wie er dort die Sache seines Volkes mit der des Hofesin die innigste Wechselbeziehung zu setzen wußte. Allein aller geschicht-lichen Wahrheit liefe cs zuwider, wenn man schon von diesem Vorgängean — geschweige denn, wie ungarischcrscits ausgcstrcut wurde, schon vonden April- und Maitagcn her — ein unmittelbares oder auch nurmittelbares Einwirkcn des Hofes auf die Ereignisse im Süden vorauS-setzcn wollte. Bis zu den ersten Eröffnungen Latour's hatte Jelacicwohl die Sympathien der höchstgcstclltcn Mitglieder des Herrscherhausesauf seiner Seite, sonst aber auch nichts; nnd die serbische Erhebung imOsten, die ihm seine rechte Flanke deckte, war eine Rational-Bewegung,nnd was sic betrieb, ein Volks-Krieg in des Wortes vollstem Sinne,nicht angefacht, nicht anerkannt, nicht gefördert von Seite der kaiserlichenRegierung, vielmehr, wie wir gesehen, vcrläugnet, verpönt und behindertvon den verschiedensten Organen derselben.