150 O, D,iS Joscphimsche Gcrmcinisinmgs-Sgstcm n. dessen Jnconscqucnzcn.
Wandelung in diesen Verhältnissen kund, einer Wandelung die insofernnicht ohne Mitwirken der Regierung geschah, als gerade das zwangs-weise Vorgehen der letztem cs war, das den Reiz des Widerstandesweckte und die Kräfte dazu stählte. Wie ans den Spalten und Ritzeneines darüber gewälzten Stcinbaucs, so gnoll der Born unverwüstlichenVolkslebens überall hervor und zersetzte das immer loser werdende Ge-füge willkürlicher Einengung und Fesselung. Eine Anzahl opferwilligerPatrioten, die, wie Joseph Jungmann, selbst einer von ihnen, sich ans-drücktc, „den Gegnern znm Ärgcrniß, den Ihrigen nicht zu Gefallen,sich selbst häufig znm Schaden" ihre beiseite geschobene Mutter-sprache an's Licht zogen und ausbildctcn, rückte sacht und unbe-merkt in die Nolle von Führern hinauf, deren Mahnrufe vielstim-migen Wicderhall fanden. Trotz des Mangels von Lehrstühlen undregelmäßigem Unterricht schlug die Pflege der Muttersprache immertiefere Wurzeln und entwickelte sich mit mir sporadischer Unterstützungeinflußreicher und vcrmöglichcr Mäccnatcn allmälig eine Literatur, diemit der Sichtung der vernachlässigten Volkssprache durch Erforschungund Bearbeitung der Grammatik, mit der Wicdcrhcransgabc von Werkenalter Schriftsteller, mit Übersetzungen, schüchternen poetischen Versuchen,gemeinfaßlichcn Volks- und Jngcndschriftcn begann, aber mit der Zeitauch ernstere Fächer in das Bereich ihrer vorwärtsstrcbcnden Thätigkcitzog. Daneben bildeten sich Licbhabcrtheater, gesellige Vereine mit vor-übergehenden Zusammenkünften und Ausflügen oder in ständigen Räum-lichkeiten fUsssck)'), deren Wände mit den Bildnissen berühmter Männerder nationalen Vergangenheit oder der gefeierten Wicdcrcrwcckcr und„Patriarchen" der Nationalität geschmückt waren. Die Landes- oderStammcsfarben kamen da zur Geltung, die Muttersprache wurde inRcdcübnngc», im Vorträge volksthümlichcr Dichtungen, im Gesänge ein-heimischer Volkslieder gepflegt, Nationaltänzc wurden anfgeführt und durchdiese und ähnliche Mittel das schlummernde Gcmcingcfühl in täglich sicherweiternden Kreisen wachgcrnfcn und nngecifcrt. Solche Dinge konnteman nicht sehen, wenn man geflissentlich vor ihnen den Blick verschloß;aber übersehen, wenn man die Augen offen hielt und gebrauchenwollte, konnte man sie nicht.
Daß cs überhaupt mit der Aufsaugung der andern Nationalitätendurch das Dcntschthnm nicht so leicht gehen werde als man von dieserSeite hoffte und wünschte, zeigte sich um dieselbe Zeit an einem wenig