108 7, II, Flucht des Papstes nach Gaeta und deren utichste Folgen,
offenen Felde geschlagen nnd zersprengt, und fielen einzelne Häuptlinge,wie Mattco Capalbo von Bvcchiglicro, Gactano Dcrosc von Sartnno,Michele Mandarins, Antonio Gallnci und zahlreiche Aufrührer mindernRanges nmhcrstreifcndc» Commandcn in die Hände, von denen sic denordentlichen Gerichten übergeben wurden. Als cs sich gegen Ende No-vember um die Neuwahlen für die Kammer handelte, gingen diese aufdem Lande allenthalben in Ordnung vor sich, Nur in der Hauptstadtgährtc cs; Gerüchte liefen umher, die wiederzusammentrctcndcn Dcpn-tirten würden die Räthc der Krone in Anklagestand versetzen, ein anderesMinisterium a» deren Stelle bringen. Allein Ferdinand zeigte keinBangen; er ließ an den Befcslignngswcrkcn von Neapel arbeiten, denMolo mit Batterien versehen. Er fühlte sich nur sicherer, als ihmKaiser Nikolaus seine Sympathien ansdrückte und seine» Gesandten inParis nnd London auftrng, eindringliche Vorstellungen gegen eine Intel"ventio» in Sicilicn zu machen, die das Ansehen der Regierung nurschwächen, den Starrsinn der Rebellen nur bestärken könne. Ließ derKönig einen Ministcrwechscl cintrctcn, so war es gewiß kein solcher,über den sich die Männer des Umsturzes zu freuen hatten.
Das gerade Widerspiel der Zustände im Neapolitanischen warendie im nördlichen Nachbarstaate. Von Rom hatte mit der ThronbesteigungPius IX,, freilich gegen dessen Absicht und Erwartung, die mitteleuro-päische Revolution ihren Ausgang genommmen: in Rom sollte sie mitder Überwältigung des rcformfrenndlichen Papstes den letzten ihrerTriumphe feiern. Dieser schien für den Augenblick allerdings ein unbe-strittener zu sein. Dem Hauptziel der mazzinistischen Partei, der Ein-berufung der Costitnente, stand nichts mehr im Wege; alle localen Ideenund Pläne mußten vor der Verwirklichung des italienischen Einheits-gedankens schwinden. Das Project einer nord-italienischen Monarchie,jenes eines selbständigen lombardo-venetianischen Königreichs, ja selbstdas Traumbild der wiedcrerstandcnen Republik von San Marco er-blaßten in dem leuchtenden Gesichtskreis, den das Glauzgcstirn des römi-mischcu Nationalconvcnts um sich warf''"). Von Pius IX., dem vorwenig Monaten vergötterten, war nirgends mehr die Rede. Am 20. No-vember schien selbst Männern der Linken in der römischen Kammer einnatürliches Schicklichkeitsgcfühl zn gebieten, daß dem in so schnöderWeise verletzten Monarchen eine Art von Sühne werde; Marchese Poten-zial» schlug eine Adresse vor, worin dem Papste der Dank für die