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2 (1870) Revolution und Reaction im Spätjahre 1848
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101
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Ermordung RossiS.

INI

Strome hervorquoll. Der Stoß hatte die Halsschlagader getroffen undwar so teuflisch gut geführt, daß das Gerücht ging, die Mordgescllenhatten sich, um ihrer Sache gewiß zu sein, zuvor an einer Leiche geübt,und daß sic in der wüsten Zeit, die bald darauf folgte, den EhrentitelKarotis-Stechcr" erhielten. Als sie ihr Opfer sinken sahen, entfernten siesich und verloren sich unbeachtet in der Menge, die keine Ahnung hatte,was in den wenigen Augenblicken denn all das war rascher geschehen,als cs sich erzählen läßt schrecklich vorgcfallen war. Righctti aber undder Diener Rossi's sprangen dem Gestürzten zu Hilfe und hoben ihn unterden Armen bis ans die Höhe der Treppe hinauf, wo er vollends zusam-menbrach. Ein paar von der Civica, die hier ihren Dienst hatten, warenZeugen des ganzen Vorfalles gewesen, ohne das geringste zur RettungRossi's thnn zu können. An ihnen vorbei wurde Rossi in das Vorzimmerdes Cardinals Gazzoli getragen; der schnell hcrbeigernfene Pfarrer vonSan Lorcnzo, der dem Sterbenden die heilige Lossprechung crtheilenwollte, fand eine Leiche. Im benachbarten Sitznngssaalc wollte der Prä-sident Stnrbinctti eben beginnen, als. ein dumpfer Schrei wie Unheil ver-kündend ans dem Grunde des Znhörcrraumcs vernommen wurde undgleich darauf der Minister Montanari bleich und entstellt eintrat. Manwußte schnell was geschehen war und cs gab einen freimüthigen Mannin der Versammlung, der den Antrag stellte, die Tribünen räumen, dieThüren schließen zu lassen und das weitere Benehmen in Erwägung zuziehen. Allein Bnonaparte rief:Was soll uns beirren? Ist etwa derKönig von Rom gestorben?" Und Stcrbini suchte zu beschwichtigen :Bleibtruhig, es ist nichts!" Der Präsident ließ das Protokoll der letzten (August-)Sitzung verlesen und dann die Abgeordneten namentlich anfrufen; als sichdabei zeigte, daß die Versammlung nicht vollzählig sei, erklärte er dieSitzung für geschlossen.

Durch alle Kreise der besseren Bevölkerung ging ein Gefühl läh-menden Schreckens;denn es gab nichts als zu schweigen, um nicht ebensoals Opfer zu fallen." Die beiden Söhne des Gemeuchelten, hineilend ansden Schauplatz des Verbrechens, waren vielleicht die cmzigen in Rom,die ihrem Schmerz, ihrem Abscheu lallten Ausdruck zu geben wagten. ImOuirinal herrschten Bestürzung und tiefe Trauer. Der Papst übertrugMontanari die einstweilige Leitung der Geschäfte. Die Minister versam-melten sich und ließen den Obersten der Carabinicri, Augclo Calderari,rufen. Die Mannschaft und die Mehrzahl der Officierc waren vom besten