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2 (1870) Revolution und Reaction im Spätjahre 1848
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I. 8. Der Wiener October-Anfstand.

sterium war gesprengt; der Hof verließ Schönbrunn, um in der befestig-ten Hauptstadt Mährens eue Zufluchtsstätte zu finden.

Die Kunde von den Wiener Vorfällen wirkte elektrisch in allenrevolutionären Kreisen. Oesterrcichisch-deutsche Städte, in deren Gemeinde-räthen das radicalc Element den Ton angab, sandten Ergebcnheits- undHuldigungs-Adressen an den Wiener Reichstag ein; von auswärtigenClubs und Vereinen kamen Anerkennungsschreiben in überschwänglichemStyl und Ton; Waldeck, D'Estcr, Jung in Berlin priesen in ihrerRational - Versammlung dasherrliche Volk von Wien"; die Frank-furter Linke beschickte die Aula mit einer eigenen Deputation, von derenMitgliedern Robert Blum und Julius Fröbel sogar in die Reihen derAufständischen traten. In Wien selbst aber herrschten Zweifel und Un-entschlossenheit; man hatte eben den Aufstand nicht aus eigenem Anlaßund Antrieb gemacht, man war in denselben durch äußere Einflüsse undfür fremde Zwecke gejagt worden. Ein großer Theil der Abgeordnetenzog sich aus dem Reichstage zurück; zahllose Flüchtlinge, meist denbemittelteren Elasten angehörig, strömten zu allen Thoren der Stadthinaus, an anderen Orten einstweilige Zuflucht zu suchen. Der Hof inOlmütz empfing eine feierliche Botschaft und Ergebenhcitöbczengnng nachder andern, worin ganze Provinzen ihren Umvillen über die WienerGewaltthat aussprachen. Zn diesem Zwiespalt im Innern und mit deröffentlichen Meinung in vielen Thcilen des Reiches gesellte sich steigendeBedrängniß von außen. Wien befand sich zwar, seit der CommandirendeGraf Auersperg seine Truppen vollständig ans der Stadt heransgezogenhatte, ganz und gar in den Händen des Aufstandes; allein schon .standJclaciv, der auf die erste Nachricht von den Ereignissen des 6. Octobersein Lager bei Wieselburg abgebrochen hatte, vor den Linien der Stadtund vereinigte seine Kräfte mit jenen Anersperg's. Und kaum hatte mansich von dem Schrecken, der dem Erscheinen der gefürchteten Kroatenvoransflog, etwas erholt, so erfuhr man den Anmarsch von Windisch-grätz' rachcglühenden Regimentern, die sich von der einen Seite imMarchfelde sammelten, von der andern über das Tnlnerfeld heran-bewegten. Die ganze Hoffnung stand jetzt auf der Vermittlung derdeutschen Ccntral-Gewalt und auf der Hilfe der Ungarn. Allein vonFrankfurt erschienen nur zwei Reichs-Commlssärc, Wclcker und Moslc,die sich überdicß nicht einmal in Wien zeigten, sondern durch das kaiser-liche Lager geraden Weges nach Olmütz gingen, und General Moga