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2 (1870) Revolution und Reaction im Spätjahre 1848
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I. 6. Die Pariser J»ni-Tagc.

Wer bci all' diesen Vorgängen verloren hatte, war gewiß nicht derPrinz. Das Interesse für ihn war allgemein, die Anfmcrksamkcit ans ihnnnd seine Schritte eine gespanntere als je. Dnzn hatte er den für seineWidersacher gefährlichen Nimbus eines Verfolgten gewonnen, etwas wieder Lichtkreis einer Märtyrer-Krone spielte um sein Hanvt, nnd selbstseine Entfernung vom Schauplätze der Leidenschaften kam ihm zu statten").Der ausgiebigste Verbündete Lonis Napolcon's aber war das täglich wach-sende Mißvergnügen mit der Negierung'"). Zwar die Ultradcmokratcnwaren gegen ihn, und auch die Bourgeoisie mißtraute noch dem NamenNapoleon, der ihr mit den „natürlichen Gränzcn Frankreichs" und folglichmit einem europäischen Krieg gleichbedeutend war. Allein eben letzteresmachte ihn bci dem größten Thcilc der Armee beliebt, die mit Ausnahmeeiniger Regimenter, die Cavaignac von ihren algerischen Campagnen herergeben waren, durchaus bonapartistischc Shmpathicn bekundete. Noch vorden Jnni-Ercignisscn, unmittelbar nach der Aufregung über die in derKammer bestrittene Wahl des Prinzen, erzählte man in Paris von einemDragoner-Regiment, das durch Versailles ziehend beim Anblick eines Frci-hcitsbanmcs in den Ruf ,,/V km« In. libortö! Vivo I'INnperour!" aus-gebrochen sei. Und was hing im Volke nicht alles mit der Armee zu-sammen! In jedem Dorfe lebte ein Veteran, der in die Gespräche amabendlichen Herde bewundernde Züge ans der großen Kaiscrzcit zn mischenwußte; in jeder Hütte fand sich ein älteres oder neueres Contcrfeh desgroßen Napoleon oder einzelner Katastrophen ans seinem Leben; in denvolksthümlichstcn Liedern lebte die Erinnerung an ihn nnd die „großeNation", deren Beacht nnd Ruhm er in alle Theile der Welt getragenhatte. Was wußte das Volk von Lamartine? Höchstens, daß er schöneGedichte für die reichen Herren geschrieben. Was wußte cs von Cavai-gnac? Er war ihm ein neuer Mann. Aber geläufig war ihm der NameNapoleon, und daß der Neffe des großen Kaisers, der Erbe seines Titelsnnd seiner Rechte wieder erschienen sei, verbreitete sich bis in die entlegenstenTheile des Landes. Portraits des Prinzen fanden raschen Absatz; manverglich ihre Züge mit denen des alten Kaisers und fand die Aehnlich-kcitcn heraus; ja hin nnd wieder tauchte im Volke, wie seinerzeit im por-tugiesischen von Dom Sebastian oder im österreichischen von Joseph kl.,der Glaube ans, der berühmte Schlachtenkaiscr sei eigentlich nie todtgewesen.

Unter solchen Verhältnissen kamen in der zweiten Hälfte September